Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1858)
- Article
- Teweth
- Date
- 1858-01-01
- Page
- 179 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2932754-2932849-2932854-2941897--03272-2941937- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der Fasttag. 179 btc Freude, die Ehre und der Adel des Einzel,icn, Geist und Her; eines jeden einzelnen Menschen, Würde und Hoheit einer jeden einzelnen Menschcnscele, der ganze Lebcnsansprnch, die ganze Lebensentfaltimg des Einzelnen, nicht selten bis zu der verschwindenden Werthgröße eines Atoms in dem Kalkül der Staatenweisheit herabgesunken, — möge man Jahrtausende herab, wie unsere Weisen treffend den Geist der Thurmbauten des Babelruhms ansdrückten, wenn ein Ziegel von diesem Bau verloren ging mit Wehklagen gejammert haben: Wer schafft uns wieder einen sv prächtigen Ziegel her, wenn aber ein Mensch bei diesem Bau verunglückt, sich gar nichts daraus gemacht — möge Jahrtausende herab die Parole der Völker gelautet haben: erst der Staat und dann das Haus, erst der Bürger und dann der Mensch, erst der Mann und dann das Weib; die Binde fällt, die Fesseln brechen, ein klägliches Ende nimmt der Ruhmcsbau der Nationen; Fürsten und Völker lernen cs endlich: nicht in dem, was der Mann absonderliches bat, in dem, was ihn in Gemeinschaft mit dem Weibe ziert, in dem Reinmenschlichen, das unsere Geister erhebt, das unsere Herzen veredelt, das unsere Gemüther beglückt, das unsere Häuser erbaut, das unserc Kinder erzieht,-das den Menschen zum Menschen, zum heitern, glücklichen und beglückenden, zu Gott aufstrebenden Menschen macht, darin liegt der Schwerpunkt des Menschenheils, nur was dahin führt baut mit am Heile der Menschheit, und alle, alle andern Bestrebungen, das Diadem des Fürsten, der Griffel des Weisen, der Meißel des Künstlers, das Grabscheit des Arbeiters, alle Ruhmeskränze der Macht und Hoheit, des Gedankens und der Erfindung haben nur soviel Werth, als sie nicht auf Kosten der Menschlichkeit errungen worden und als sie die Mehrung des Menschlichen in der Menschheit zum Ziele haben. Alle Macht, alle Hoheit, aller Glanz erblindet vor dem Seufzer Eines Unglücklichen, der unschuldig im Kerker schmachtet, vor dem Wcherus Eincs Herzens, das unter dem Druck der Rohheit zusammenbricht, — eine handvoll Menschen zu guten, glücklichen Menschen gemacht, wiegt schwerer auf der Wage des Wcltcnrichters, als Millionen unter den Zauber der Gewalt gebannt, — und jeder Mensch auf jeder Stufe des Glücks und des Alters, des Standes und des Geschlechts vermag nur so viel heiteres Lebensglück zu erwerben,