Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1857)
- Article
- Die Stellung der Juden im griechisch-römischen Alterthum
- Date
- 1857-12-01
- Page
- 152 (sequence 12)
- Language
- German
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152 Die Stellung der Juden keiner Beschneidung zu unterwerfen brauchten. Wie nach Joseph:!? , in Damaskus die Mehrzahl der Heidinnen zum Zudenthum übe:-^< getreten war, so waren zu Rom in allen Schichten der Gesellschaft^ bedingte oder unbedingte Anhängerinnen dieses Glaubens zu finden. Aber daß es auch an Männern keineswegs fehlte, die alle Bedingnngen eines förmlichen Uebcrtritts erfüllten, zeigen wiederholte,! gegen Beschneidnng von Nichijuden erlassene kaiserliche Edicte. Antonins Pius gestattete sie nur Juden, und belegte jeden, der ft! an andern vollziehen wurde mit der auf Entmannung gesetzte»! Strafe; und so verbieten noch mehrere spätere Gesetze den form-, lichen Uebcrtritt zum Judenthum bet schwerer Ahndung. Diese Ausbreitung eines Glaubens, der so wenig Gemüth und Phantasie anziehendes, so viel zurückstoßeudes bot, dessen Bekenner so verhaßt waren, und Bekehrungen eber zurückwiesen als beförderten, wird, wie gesagt, erst dann begreiflich, wenn man dic Glaubenslosigkeit wie das Glaubensbedürfntß des sinkenden Heidenthums erwägt. Der römische wie der griechische Polytheismus war theils durch die Entwicklung der Philosophie, theils durch andere! Einflüsse zu einer Schattenexistenz herabgesunken. Für die unge-! heure Mehrzahl der römisch-griechischen Welt waren die Götter! von Hellas schöne, aber inhaltsleere "Masken, die des alten Ron! wie ״Urväter Hausrath" halb lächerlich, halb unverständlich gewor-i den, und die ungeheure Mehrzahl suchte mit schmerzlicher Sehnsucht! nach einer positiven Befriedigung ihres religiösen Bedürfnisses.! Daher die zahllosen Experimente der srühern und später:: Kaiser-! zeit, die verschiedensten Glaubenssormen des Orients im Westen etnzubürgern: jede Religion war willkommen, die einen positiven Inhalt zu haben schien, wie häßlich und seltsam auch ihre Götzen, wie lästig ihre Satzungen sein mochten. Die halb menschlich, halb thierisch gestalteten Idole Aegyptens, die leidenden und sterbenden Gottheiten, die geheimnißvollen Naturmächte des Orients, alle fanden in der römischen Welt nach und neben einander gläubige und leidenschaftliche Verehrung. Auch der Gott der Juden fand sie. Mochten auch die wenigsten die Erhabenheit seines Wesens fassen, so mußte doch gerade das Geheimnißvolle seines Cultus, die Unsichtbarkett seiner Gestalt, die Unaussprechltchkeit seines Namens in einer der Mystik so ganz verfallenen Zeit auf manches glaubens--