Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1857)
- Article
- Moses Mendelssohn's Verhältniß zum herzogl. Braunschweig'schen Hofe
- Date
- 1857-12-01
- Page
- 138 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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13S Moses Mendelssohn'- Verhältniß zum Herzog!. Braunschw. Hofe. Wir wissen, wie sein bereits mehrfach genannter über die Unmündigkeit änerzogener Borurtheile stch erhebender Lehrer, der Abt Jerusalem, Lavater's Verfahren mißbilligte und aus dem Briefe des Erbprinzen an Mendelssohn ersteht man deutlich, 12) daß er sogar Bedenken trug, ob Mendelssohn die Betrachtung, die er für seine Person von ihm forderte, gar der Oeffentlichkeit übergeben solltx. Der Wunsch des Herzogs wurde von Mendelssohn erfüllt, und nicht genug bewundern kann man die Offenheit, die stch in dem, diese so wichtigen Fragen behandelnden Schreiben 13) an den Erbprinzen kund gibt; es ist ein schönes Zeugntß für seine Freimüthtgkctt, für seine ungeschminkte Wahrheitsliebe, wo es Wahrheit galt, wo es ihm um seine Herzensangelegenheit, nm sein alt ehrwürdiges Judenthum zu thun war. Können wir auch auf den wesentlichen Inhalt dieses Briefes hier nicht näher eingehen, so wollen wir cs uns doch nicht versagen, de» Schluß desselben mttzutheilen. ״Durchlauchtigster ״Prinz! Ich fürchte, meiner Feder allzu freien Lauf gelassen zu ״haben und würde untröstlich sein, wenn ich das Unglück hätte, ״durch allzu große Frei müthigkeit mir Ew. Durchlaucht Ungnade ״zuzuziehen. Ich breche mit Zittern hier ab und erwarte mein ״Schicksal mit der quälendsten Ungeduld". Seine Offenheit und, wie er glaubte, allzu große Freimüthtgkeit zogen ihm keineswegs die gefürchtete Ungnade, wohl aber die größere Achtung und Verehrung des Erbprinzen zu. Wenige Monate nach jenem Briefe war auch Lessing in die Nähe des Prinzen gekommen und bei dessen häufigen Unterhaltungen mit seinem fürstltchen Beschützer lenkte er sicherlich oft das Gespräch auf seinen jüdischen Freund, so daß der Prinz erst durch ihn ein recht getreues Bild dieses so herrlichen Charakters erhalten hat. Als Mendelssohn im Oktober 1770 durch Braunschwetg kam, machte er dem Erbprinzen seine Aufwartung und dachte noch später mit Vergnügen an den dortigen Aufenthalt zurück. Dieses Mal waren es nicht “) Lesslng's sämmtliche Schriften XII, 282; vrrgl. Moses Mendelssohn'- ges. Schr. V, ISO. 12) Moses Mendelssohn's ges. Schr. III, 12g. 13) Moser Mendelssohn'- ges. Schr. III, 129-134.