Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 2 (November 1857)
- Article
- Zur jüdischen Schulfrage
- Date
- 1857-11-01
- Page
- 91 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2932754-2932849-2932852-2941647--03104-2941735- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Jur Mischen Schulsrage. Von vr. M. Hirsch. I. Eine ernste Frage ist's, eine jede Schule hat sie sich vorzulegen: welches Ziel der zum Jüngling herametfende Knabe, das zur Jungfrau sich entfaltende Mädchen erreicht ha-- den werde, wenn sie, die in den Jahren der größten Receptivität ihr anvertrauten, nachdem sie alle Claffen durchgemacht, die Schule verlassen und der Ernst des Lebens ihnen entgegen tritt. Im Gebiete des Könnens und Wissens ist diese Frage eine leichter zu beantwortende, weil das Ziel ein leichter zu steckendes und, nachdem es gesteckt, mit Sicherheit zu erreichendes ist; denn hier handelt es sich mehr oder weniger um bloß quantitative Derhältnisse, das Quantum nämlich des Lehrstoffes, welcher dem Schüler entgegengebracht werden soll. Da dieser als etwas unmittelbar Mittheilbares ebenso unmittelbar vom Schüler ausgenommen werden kann, so ist mit der Kenntniß des gesteckten Zieles auch so ipso der Standpunkt der aus der obersten Classe Ansscheidenden gegeben. Jedoch nicht dieses, das Können und Wissen, ist das Ziel, bei welchem eine Schule, die ihre Aufgabe begreift und deren Losung ernst anstrebt, sich beruhigt. Wir wollen unsere Kinder nicht blos mit Kenntnissen und Fertigkeiten bereichern, wir wollen sie bilden. Daher gesellt sich zu der Frage, was werden sie gelernt haben, was werden sie wissen, die unendlich gewichtigere: Wie werden sie es wissen? Wird das Erlernte ihnen nichts Aeußerliches, Todtes, ihrem inneren Leben Fremdartiges geblieben, wird es, lebendig erfaßt, nun auch in ihnen