Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 2 (November 1857)
- Article
- Ein Stück Zeitgeschichte
- Date
- 1857-11-01
- Page
- 62 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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3i1₪r₪ ^esterreichische Blätter machen uns mit einem Borgange bekannt, der in allen seinen Stadien zu charakteristisch für unsere Zeit ist und zu ernste Betrachtungen bei jedem um die Zukunft unserer religiösen Gemeinden Bekümmerten erwecken muss, als daß wir unfern Lesern denselben nicht in seiner ganzen Ausdehnung mttzuthctlen uns verpflichtet fühlen sollten. ״Am 13. Jänner 1850 — also lautet der Bericht in der Beilage Nr. 224 des ״Tagesboten aus Böhmen" — wurde dem Med. Dr. Veit Levit zu Horte, praktizirendem Arzt der israel. Gemeinde daselbst, ein Sohn geboren, den er standhaft der sonst gebräuchlichen Beschncidung nach den abgelaufenen ersten acht Lebenstagen entzog. In der Gemeinde Horic war das Tagesgespräch von der entschiedeneu Weigerung Dr. Levit's erfüllt, und man beschloß, denselben als aus dem Verbände des Jndenthums ausgeschlossen zu behandeln. Als man Dr. Levit eines Tages die Antheilnahme an dem Lesen der Gesetzrollen in dem Bethause öffentlich weigerte, trat er energisch vor die aus gebreiteten Gesetzrollen hin und erklärte feierlichst, laut und vernehmbar, ״im Namen des Gottes Zebaoth", daß er seinen unbeschnittenen Sohn ganz in der Religion seiner Väter, in der Religion des Judenthums erziehen werde. 1 Mit diesem Vorgänge in der Oeffentlichkett schien die Sache beigclegt und die öffentliche Meinung mit der Erklärung Dr. Levit's versöhnt. Auf die darauf erfolgte Anklage des Giciner Kreisrabbiners Grün selb (Horic ist dem Giciner Kreise zugetheilt) beim Kreisamte erfolgte gar keine Entscheidung. So vergingen sechs Jahre, während welcher Zeit der junge Levit fort in den Gesetzen der jüdischen Religion erzo-