Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1857-11-01 · Heft 2 (November 1857) · p. 60

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1857-1858)
Issue
Heft 2 (November 1857)
Article
Cheschwan
Date
1857-11-01
Page
60 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2932754-2932849-2932852-2941645--03071-2941704
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

60 Cheschwän. fene Jude seufzt und das göttliche Heiligthum des jüdischen Gesetzes! verkümmert. DaS sind Zustände der Gegenwart in vielen Kreisen des deutschen Vaterlandes, das. sind Zustände der Zukunft, zu deren Eintritt fast in allen Kreisen bereits die Vorbedingungen vorhanden sind, und da dürfte in irgend einem Kreise irgend ein rechtschaffe- »er Jude noch sich mit seinem religiösen Interesse auf seine Person, sein Hauö, seine Familie beschränken, dürste sich nicht aufgerufen fühlen mit dem ernstesten Ernst seine Sorge auch dem religiösen Allgemeinen zuzuwenden? Wir haben aus den religiösen Beziehungen der jüdischen Gegenwart hier nur Eine Seite, die religiöse Gemeinde-Organisation, hervorgehoben, weil dort uns in der That das Grnndübel unserer Zustände zu wurzeln scheint und so lange es dort faul ist, die Aussicht ans Besserung in hohem Grade verkümmert bleibt — allein auch die meisten andern Momente unserer jüdisch religiösen Gegenwart, die meisten Institutionen und Bestrebungen, die in einem guten jüdischen Gcmeindeleben blühen sollten, Alles, was für die Erkenntniß und die Erfüllung des göttlichen Gesetzes zu geschehen wäre, wie wenig Erfreuliches bietet es dar, wie zu ernster Besorgniß ladet das Meiste — außer Zdäkah und Gemiluth Chassadtm liegt fast Alles unter dem Frost kalter Gleichgiltigkeit begraben da, oder ist von Dornen und Disteln »»jüdischer Pflanzung überwuchert, kaum hie und da wagt ein besserer Keim aus der Eisdecke oder der Unkrautfülle schüchtern hervorzublicken — und es dürfte der rechtschaffene Jude solchen Zuständen gegenüber glcichgiltig bleiben, dürfte sich nicht aufgerufen fühlen, mit dem ernstesten Ernst seine Sorge diesem ״Bruch seines Volkes" zuzuwenden? Der Cheschwän ist da, mit ihm die langen Winter-Abende; da sollten in jeder Stadt, in jedem Dorf die gesetzestreuen Juden alle, Alle, denen der Bruch der Zeiten zu Herzen geht, Alle, die einen Seufzer für unser Hciligthum übrig haben, diesem Heiligthum Einen Abend, Eine Abendstunde in der Woche, Eine Abendstunde jeden Monat schenken, und zusammengehen, ihre Wünsche und Befürchtungen, ihre Sorgen und Hoffnungen, ihre Ansichten und Aussichten gegenseitig auslauschen, sich in gegenseitiger Besprechung über die Frage klar zu machen suchen, wo es fehle, und was zu

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.