Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1857)
- Article
- Deutschland : Aus Österreich [Nachricht]
- Date
- 1857-10-01
- Page
- 99 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2932754-2932849-2932851--03044-2941635- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Vierter Jahrgang. Seiblatt zum Oktoberheft. Auögegeben den 18. Oktober 1857. In dieses Beiblatt werden Inserate zu 3 kr. pr. Zeile oder deren Raum ausgenommen. Deutschland. Aus, Oesterreich. Aus 'Wien erschallen bittere Klagen über den Fanatismus, mit welchem die dortige kirchliche Presse die Israeliten verfolgt. Eine kathol. Kirchenzeitung bringt Artikel, wie ״Juden undHunde"! rc. Je strenger die Presse in Oesterreich beaufsichtigt ist, um desto ausfallender muß die Duldsamkeit gegen solche Exzesse erscheinen, welche an die sinstersten Zeiten des Mittelalters erinnert. Freilich wird es den Priestern seit dem Concordat wieder gar zu Wohl in Oesterreich. — So thut uns leid, aus Oesterreich wieder eine Probe religiöser Unduldsamkeit berichten zu müssen, die wohl mit dem immer steigenden Einfluß der Geistlichkeit im Zusammenhänge steht. Bisher hatten die Israeliten laut dem Gesetze von 1849 Grundeigenthum erwerben dürfen, dies Recht ist ihnen jetzt durch einen Ministererlaß genommen worden. Unglaublich erscheint nun der Grund, den ein süddeutsches Blatt hinzugefügt, nämlich ״die zu große Blüthe der von Israeliten bewirthschafteten Grundstücke". Es wäre demnach ein Verbrechen, durch redliche Thätigkeit sich im Staate zu ernähren und gut zu ernähren?! ׳ Zwischen der "Presse" und dem ״Oesterr. Volksfreund" hat sich ein Zeitungskrieg erhoben. Erstere beschuldigte diesen, es wimmele in seinen Spalten täglich von Aufreizung zu Haß und Verachtung gewisser Gesellschaftsclassm. Der ״Volksfreund" erklärte diese Behauptung in einer Zuschrift an die Redaktion der "Presse", welche von letzterer abgedruckt wird, für eine Unwahrheit und fordert Beweise, die denn heute in der ״Presse" wirklich gebracht werden. Es ergibt sich daraus eine Reihe von Schmähungen des israelitischen Theils der österreichischen Bevölkerung, die der ״Volksfreund" sich in einer aller Bildung der Gegenwart Hohn sprechenden Weise Zu Schulden kommen ließ. Die ganze Presse Oesterreichs müsse sich verwahren gegen die beispiellosen Anmaßungen eines Blattes wie der ״Volksfreund", welcher die katholischm Interessen zu vertreten sich vermißt und dem doch jede Ahnung eines höheren Berufes wie die Form eines gebildeten Journalismus fehlen. V — Mittheilungen aus Siebenbücgen über einen Erlaß des Justizmininisteriums an das dortige Oberlandsgericht, ver-