Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 12 (September 1857)
- Article
- Deutschland : Preßburg [Nachricht]
- Date
- 1857-09-01
- Page
- 651 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Dritter Jahrgang. Beiblatt znm Keptemberhett. Ausgegeben den 1. September 1857. In dieses Beiblatt werden Inserate zu 3 kr. pr. Zeile oder deren Raum auf genommen. Deutschland. D Preßburg, 28. Juli 1857. ״An allen Gassenecken hier, zwischen Kom'ödienzettel, Bierschank-Annoncen und Marktbuden - Anzeigen, liest man eine große Affiche, die das Erscheinen ״eines für jeden Jsrae- Ixten uothwendigen, nützlichen und lehrreichen Buches" anzeigt, unter dem Titel: ״Inhalt des Talmuds und dessen Autorität, aus den ersten Quellen geschöpft und unpartheiisch behandelt von Jakob Kittseer Junior." ״Diese echt marktschreierische Ankündigungsweise", heißt es in einer von Herrn S. £. Schick Hieselbst erschienenen kurzen Abfertigung, ״diese echt marktschreierische Ankündigungsweise, wieder augenfällige Unsinn, den Inhalt des Talmuds, dieser großen und reichhaltigen Schatzkammer jüdisch-theologischer Gelehrsamkeit, Casuistik, Ethik und Morallehre, der Zu jeder Zeit, seit seinem anderthalbtausendjährigen Bestehen, Gegenstand des eifrigsten Studiums der hervorragendsten Geister unter den jüdischen, und auch nicht jüdischen Gelehrten war, in einem Werkchen von anderthalbhundert kleinen Octav-Seiten niedergelegt zu glauben, und auch der Name I. K. Junior (!) eine unbekannte Größe in der Gelehrtenwelt, veranlaßten den Schreiber dieses, wie hoffentlich auch alle seine Glaubensgenossen, dieses ״nothwendige Werk" seinem weltbegtückenden Verfasser zu belassen. Durch die Güte des Herrn Kittseer aber, der nun, da sich nach mehrw'öchentlichem Harren noch immer keine Käufer dieser seiner Libelle melden wollen, dieselbe zu verschicken anfängt, kam sie auch mir gestern zu Händen, und Himmel! was fand ich da, nach Ueberwindung eines unverdaulichen, holprigen und fehlerhaften Styls, für Unsinn ׳ mit perfider Frechheit, was für Unwissenheit mit brutaler Unverschämtheit gepaart! Der Talmud hat, wie jede bedeutende Erscheinung, von jeher seine Gegner gefunden. Mau glaubte ihm Spitzfindigkeit, Ueberspauntheit, Mikrologie u. d. m., und in scieutifischer Beziehung wohl auch die seiner Zeit im Allgemeinen anhaftenden wissenschaftlichen Mängel und Vorurheile vorwerfen zu müssen. Alle diese seine Feinde achteten aber doch?ihren Gegner, ließen den Gründern der Mischna und Gemara, bezüglich ihres sittliicheu Charakters und ihrer Moralität, Gerechtigkeit widerfahren,