Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 12 (September 1857)
- Article
- Grundlinien einer jüdischen Symbolik
- Date
- 1857-09-01
- Page
- 616 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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616 Grundlinien einer jüdischen Symbolik. Ideen die entsprechenden Zeichen aufzufinden; b) die Regeln zum Verständniß der Symbole zu lehren, also aus Symbolen die Ideen zu erfassen, die durch die gegebenen sinnlichen Zeichen ausgedrückt sein sollten. Dieser letztere Thetl einer Symbolik, das Verständniß der Symbole, die Auflösung des Zeichens in die Idee, ist der Gegenstand, der uns hier beschäftigen soll. 2. Gedanken durch sinnlich wahrnehmbare Zeichen auszudrücken, ist dem Menschen eine eben so natürliche, ihm angeborene Fähigkett und ein eben so natürliches, angeborenes Bedürfniß, wie die Fähigkeit und das Bedürfniß sich durch die dem Ohre wahrnehmbare Sprache mttzutheilen. Ist ja selbst der Gedanke nicht allzu gewagt, der selbst die Sprache in ihren reinsten, ursprünglichsten Anfängen als eine Symbolik des Schalles begreift und der natürlichen Verbtndnng nachforscht, die selbst ׳zwischen dem Laute und der Idee besteht, die in jenem Laute ihren Ausdruck finden soll. Wir alle üben eine natürliche Symbolik, deren Verständniß freilich keines Studiums bedarf, deren Betrachtung aber sehr wohl geeignet ist, uns den Werth des Symbols neben dem Worte kennen zu lehren. Die ganze körperliche Mimik, mit der wir unser Wort begleiten und die wir sehr oft die Stelle des Wortes vertreten lassen, ist nichts als eine natürliche Symbolik, die wir üben und der wir sicherlich nicht entbehren möchten. Unsere Bejahung und Vernetnung, unsere Zustimmung und Versagung, unser Beifall oder Mißfallen, unsere Achtung oder Verachtung, unsere Freude und unsern Schmerz, unsere Freundschaft und Liebe werden wir, wenn wir sie nur durch Worte ausdrücken, nicht zur Hälfte desjenigen von uns beabsichtigten Ausdrucks gebracht haben, den wir erreichen, indem ein entsprechendes körperliches Zeichen unser Wort begleitet, oder es auch ganz allein vertritt. Das Lebewohl, das mir Viele gesagt, vergesse ich bald; aber den Händedruck, den mir der Freund zum Abschied schweigend reichte, der mich auf einen Augenblick sinnlich mit ihm vereinigte und mich gerne für immer festgehalten hätte, der mich somit den ganzen Schmerz erkennen ließ, den ihm meine Trennung brachte, den vergesse ich nimmer.