Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 11 (August 1857)
- Article
- Afrika [Nachricht]
- Date
- 1857-08-01
- Page
- 601 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2932754-2932835-2932847--02887-2941435- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Tunis 1× ep/1048155
OCR text
erfolglos; man weigerte sich, ihn anzuhören. Die Bemühungen des Generalconsuls selbst, der sich zum Beh begeben hatte, um einen solchen Justizmord zu verhüten, blieben ebenso erfolglos. Kaum hatte der Repräsentant Frankreichs den Palast des Beh verlassen, als Befehl ertheilt wurde, das Schlachtopfer herbeizuführen; das Todesurtheil wurde ihm verlesen, und die Henker stürzten auf die Beute los und führten ihn auf die Richtstätte. Man versichert, daß der Unglückliche, lediglich nur seine Leiden zu vermehren, 17 Säbelhiebe an verschiedenen Th eilen des Körpers bekam. Kaum war das Haupt vom Rumpfe getrennt, als der Pöbel darauf losstürzte, ihm die Augen ausstach, Nase und Ohren zerfetzte und die rauchenden Fetze!: den Hunden vorwarf. Hierauf wurde der Leichnam barbarisch verstümmelt und dann wieder auf das Schaffst gebracht, um ihn steinigen zu können. Erst nach einigen Stunden gelang es den Glanbensgenossen des Märtyrers, den Cadaver zu bekommen, um ihn in Tunis begraben zu können. Aber am Thore der Stadt, in den Vorstädten, auf dem Friedhofe warteten fanatische Hörden, um die Ueberreste des Gerichteten den Glaubensbrüdern zu entreißen, und nur durch List konnte man dieß verhindern. Dem Vernehmen nach wird nicht nur ein französisches, sondern gleichzeitig auch ein britisches Geschwader nach Tunis geschickt werden. Frankreich hat zu wiederholten Malen solche Demonstrationen vor Tunis gemacht, und zwar aus weniger ernsten Anlässen, als der gegenwärtige ist; zur Zeit der Regierung Louis Philipps wurde!: zweimal Geschwader nach Tunis gesandt, um die dortige!: Behörde!: zur Achtung von Recht und Verträgen Zu nöthigen. Die Concession, welche Si- Mohamed dem Fanatismus feiner Unterthanen durch Gestattung eines förmlichen Justizmords gemacht, ist um so unbegreiflicher, da erst voreinigen Monaten sein außerordentlicher Gesandter, General Ker-Eddin, nach Paris gekommen war, um dem Kaiser Napoleon Versicherunge!: besten Einvernehmens mit den europäischen Mächten und mit Frankreich insbesondere zu überbringeu. Die französische Regierung wird, wie man versichert, einen loyalen. Vollzug des im Jahr!830 durch den Admiral Rosamel abgeschlossenen Allianzvertrages verlangen, dessen Festsetzungen für alle mit guter Nachbarschaft und religiöser Toleranz zusammenhängenden Punkte Vorsorgen. ׳ Nach den neuesten Berichten aus T u n i s hat der dortige amerikanische Consul ebenfalls mit E!:trüstung gegen den am einem jüdischen Karrenführer verübten Justizmord protestirt. Während der barbarischen Scenen, die diesen Mord begleiteten, hatten Schaare!: von Männern und Weibern dem Bey zugejauchzt und vo!: ihm die Versagung der Europäer verlangt. (F. I.) Rußland. Warschau. Im Auslande dürfte es weniger bekannt fein, daß der 13. Juni hier zu Lande von großer Aufregung begleitet war. Be-