Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 11 (August 1857)
- Article
- Afrika [Nachricht]
- Date
- 1857-08-01
- Page
- 600 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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י" Afrika. ־ Marseille, 6. Juli. In Tunis wurde am 1. d. ein Jude von emem Mauren beschimpft; er antwortete mit Schmähungen gegen die Religion Mahomeds; er wurde ins Gefängniß gebracht, enthauptet und seine Leiche dem Pöbel preisgegeben. Die Consule, protestirten einstimmig gegen solches Verfahren. Der britische Biceconsul, Herr Crowe, ist mit der Protestalionsacte gegen den Beh, welcher die Hinrichtung genehmigte, in Marseille eingetroffeni Der bereits bekannt gewordene Vorfall in Tunis, in Folge dessen ein Jude in barbarischer Weise, hingerichtet wurde, wird in einer Carresponvenz des Marseiller ״Semaphore" wie folgt, erzählt: Vor einigen Tagen fuhr ein Jsraelite, Kärrner seines Standes, durch eine der Vorstädte von Tunis', als in der Nähe des Stadtthores sein Pferd einen Fehltritt that; ein junger Muselmann, der befürchtet hatte/ vom Rade des Karrens berührt zu werden, fing nun an , den armen Juden mit Schimpfreden zu überschütten, und dieser, theils durch genossen^ geistige Getränke, theils durch diese Behandlung aufgeregt, erwiderte mit einigen heftigen Worten. Sogleich schrie der fanatische Muselmann, daß der Jude Gotteslästerungen ausgestoßen und das Gesetz des Propheten verflucht habe. Dieses Wort fand ungeheuren Widerhall, der sich mit Blitzesschnelle weithin verbreitete. 80 Zeugen waren augenblicklich bereit, zu erhärten, daß sie die Lästerungen mit 'eigenen Ohren vernahmen, und da ein oder zwei Notare unter ihnen waren, so wurde die Anklageaete sofort aufgesetzt. Unterdessen hatte der arme Kärrner, von dem wüthenden Pöbel umgeben, die abscheulichsten Mißhandlungen zu erdulden; nur mit Mühe konnte er vor Gericht geschleppt werden, wo der Richter ihn in den Kerker werfen ließ. Am nächsten Morgen beeilte sich dieser, dem Bey Bericht zu erstatten/der sich incompetent erklärte, ein Urtheil in einer solchen Sache zu fällen und die Angelegenheit vor die ״Chara" (ein geistliches Gericht) verwies. Das Ergebnis; des Urtheils konnte nickt zweifelhaft sein. In der That wurde der arme Jsraelite nach einem ersten Verhör, trotz seines Leugnens, trotzdem, daß er sagte, sich keiner der vielleicht im Rausche aus-- gestoßenen Reden erinnern zu können, an Händen, Füßen, am Halse und um den Leib mit Eisen belastet, so daß er sich 3 Tage lang nicht rühren konnte, ohne die gräßlichsten Schmerzen zu erdulden. Endlich am 25. Juni Morgens versammelte sich das religiöse Tribunal ״Charra" von Neuem und fällte einstimmig das Todesurtheil. Diese Nachricht rief in der ganzen europäischen Colonie allgemeine Entrüstung hervor. Die Frau amb die Kinder des Unglücklichen durchrannten weinend, die Haare raufend, das Gesicht blutig, die Straßen des Franken-Quartiers und riefen mit herzzerreißenden Klagen die mächtige Vermittlung des französischen Generalconsüts an. ©iter der Beamten der Legation, der Dolmetsch Rousseau, beeilte sich, zu den!roch versammelten Richtern zu gehen, um eine Erleichterung der Strafe zu erlangen; sein Schritt blieb