Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 11 (August 1857)
- Article
- England : London [Nachricht]
- Date
- 1857-08-01
- Page
- 599 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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iBB» Wortlaut stellenweise ans Gotteslästerliche gränzen. Lord Brougham bricht eine kurze Lanze für die Maßregel, und wird vom Bischof von Oxford bekämpft. Die Abstimmung ergiebt für die zweite Lesung 139 gegen 173. Majorität gegen die Maßregel nur: 34. London, 16. Juli. Die Eidesbill ist im Oberhause durchgefallen, aber die Judenfrage ist, wie es scheint, in dieser Session noch nicht ganz zur Ruhe gebracht. Man will ein anderes Manöver versuchen, will das Oberhaus ganz aus dem Spiele lassen und im Unterhause eine einfache Resolution einbringen, daß der Jude den Eid leisten könne, ohne an die christliche Formel gebunden zu sein, die ihn bisher von Sitz und Stimme ausgeschlossen hatte. Die Quäker schwören gar nicht und sitzen doch im Unterhause, kraft einer einfachen Resolution desselben, und ohne daß man deßhalb eine Bill eingebracht hätte, die erst ans Oberhaus hätte gehen müssen. Weßhalb man dies Mittel nicht längst angewendet hat, wenn es so einfach und sicher wirkt? ist eine sehr natürliche' Frage. Die Antwort ist: daß Aehnliches vor Jahren vorgeschlagen wurde, wogegen die Hauptfreuude der Emancipation, darunter Lord John Rüssel, eingewendet hatten, es handle sich hier darum, ein großes Doleranzprinzip zur Geltung zu bringen, und viel würdiger sei es, die Juden kraft eines von den drei obersten Staatsgewalten sanctionirten Gesetzes ins Parlament einzuführen, als sie durch eine einfache Resolution ins Unterhaus grwissermaßen einzuschmuggeln. Diese Ansicht drang durch und die Folge davon war, daß das Oberhaus nun schon seit 10 Jahren die Bill eben so standhaft verwirft, als sie eingebracht wird. Jetzt endlich taucht der erste Gedanke mit der Resolution wieder auf. Die ״Times" sind dafür. Sie wollen dem Oberhause den Possen gespielt sehen, und jetzt mehr als je, da erst im vorigen Jahre die Lords (in der Wensleydale-Angelcgenheit) sorgfältig und ohne Einmischung des Unterhauses darüber aburtheilten, ob sie einen von der Krone auf Lebenszeit ernannten Pair unter sich ausnehmen sollten oder nicht. Dasselbe Recht der Selbst- Entscheidung stehe dem Unterhause zu, es möge getrost davon Gebrauch und damit der endlosen Jndendebatte ein Ende machen. Zu bemerken ist hier nur noch, daß einer derartigen Resolution verfassungsmäßig Nichts im Wege steht. Es ist nun die Frage, ob sich alle Jene, die für die Judenbill stimmten , auch zu Gunsten der Resolution erklären werden. Die Regierung wird sie nur dann unterstützen, wenn sie der Majorität ganz gewiß ist. (N. Z.) Italien. Mailand, 22. Juli. Das sardinische Ministerium, in der Absicht, die Israeliten zu zwingen, nicht mehr abgesondert, sondern zerstreut unter der christlichen Bevölkerung zu wohnen, hat den Verkauf drs jüdischen ' Stadttheiles ״Ghetto" in Turin angeordnet. Der Werth der betreffenden Häuser soll sich aus 1,300,000׳ Lire belaufen. (K. ZI