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Jeschurun · 1857-08-01 · Heft 11 (August 1857) · p. 598

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1856-1857)
Issue
Heft 11 (August 1857)
Article
England : London [Nachricht]
Date
1857-08-01
Page
598 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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598 mit Juden sitzen wollen? Endlich verweist der edle Antragsteller auf das Beispiel von Amerika, Frankreich, Belgien, Holland und Piemont, und ersucht, die Beharrlichkeit, mit der die Gemeinen Jahr für Jahr die Judenbill herauf senden, nicht als Trotz gegen die Lords auszulelegen, sondern darin den Beweis zu sehen, daß nach der festen und unerschütterlichen Ueberzeugung des britischen Volkes die Zeit gekommen sei, um das letzte Ueberbleibsel religiöser Unduldsamkeit wegzufegen. Lord Derby bemerkt, die Bill rege erstens die Frage an, ob es recht sei, die Juden als wählbar anzuerkennen, und zweitens, wie weit der Wortlaut der Eide einer Aenderung bedürfe. Erstere Frage sei und bleibe die Hauptsache. Die Juden muffe er immer als Fremdlinge im Lande ansehen, als ein Volk, das unter den Engländern lebt und stirbt, ohne darum englisch zu sein; denn ihre Hoffnung, dereinst wieder das gelobte Land für sich zu besitzen, bilde ihren Hauptcharakterzug. Was den Vorwurf der Verfolgung betreffe, so frage er, worin sie bestehe? Jemanden das Vorrecht der Gesetzgebung absprechen, heißt nicht, ihn verfolgen. Lord Lyndhurst kann nicht umhin, der Beredsamkeit des edlen Gegners volle Anerkennung zu zollen, hofft aber, Ihre Lordschaften verlangen etwas mehr als Beredtsamkeit, nämlich Unabhängigkeit von hohlen Vorurtheilen, eine freisinnige und gerechtigkeitsliebende Auffassung der ג Frage. Er skizzirt die Entstehungsgeschichte der "Eidesformeln, um die Zufälligkeit der Juden-Ausschließung nachzuweisen, und widerlegt die unbegreifliche Behauptung, daß Leute, die im Lande geboren sind, den Gesetzen des Landes gehorchen und die Steuern des Landes bezahlen, Fremdlinge seien, durch Hinweis auf ein feierliches gerichtliches Erkenntniß aus der Schlußperiode des I7ten Jahrhunderts, welches die Juden als Engländer behandelt. Vor Kurzem erst habe Obercanada eine Legislatur erhalten, welche die Juden nicht ausschließt. Habe das Christenthum in England eine schwächere Constitution, ein empfindlicheres Nervensystem, eine zartere Gesundheit als in Canada? Die Gefahr für die Religion sei eine Chimäre, denn die Juden gingen nicht auf Proselytenmacherei aus, dafür hätten sie in allen Aemtern, die sie bekleiden, Takt, Redlichkeit und ausnehmende Befähigung bewiesen. England habe die Türkei gedrängt, absolute Glaubensfreiheit zu gewähren; liege darin nicht eine Verpflichtung, ungedrängt ein Gleiches zu thun? Ihre Lordschäften sollten bedenken, daß die Bill im Unterhause jährlich größere Majoritäten erringt, und wenn es der Beruf des Oberhauses sein möge, dem unbesonnenen Fortschrittsdrang der Gemeinen einen Zügel anzulegen, so sei cs darum nicht ihre Sendung, dem Sieg der bürgerlichen und religiösen Freiheit sich als hartes und starres Bollwerk in den Weg zu stellen. — Der Bischof von London hält es für eine Pflicht der Gerechtigkeit, die Bill durchzulassen. Der Erzbischof von Canterbury bekämpft sie mit Entschiedenheit. Lord Shaftesbury ist -wie bisher gegen die Zulaffung der Juden, aber für eine Revision der Eide, die in ihrem

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