Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 11 (August 1857)
- Article
- Die Juden in Holland
- Date
- 1857-08-01
- Page
- 574 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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574 Die Juden in Holland. Namen dies Stifters der christlichen Religion!haben sic erst aus dem Munde von Missionären -erfahren. Ebenso hat auch Indien in auscheinend sehr hohem Alterthume einige Theile des heute über die ganze Erde -zersprengten Volkes ausgenommen. Wären die Züge dieser alten Eolonien gesammelt und ihre Uebcrlieferungen zusammengestellt, so würden diese sich gegenseitig ergänzenden, immer -weiter herab reichenden Traditionen die ganze jüdische Geschichte enthalten. Me diese Thatsachen offenbaren zwei dem jüdischen Stamme in besonders hohem Grade angehvrende Etgenthümlichkeiten: das Bedürfniß sich auszubreiten und gleichzeitig eine wunderbare Tenacität -des Volkscharakters-. -Freilich haben sich aridere Volksstämme des Orients, wie z. B. die Hindu, bis auf den heutigen Tag erhakten und mit der Reinheit des Blutes auch einen Theil ihrer Religionsgebräuche bewahrt; es wäre jedoch ungerecht, wollte man übersehen, -daß!diese Volker, da sie niemals dem heimathlichen Boden entrückt wurden, in ihrem Lande die natürliche Schutzmauer fanden, die sie den Einflüssen der modernen Civilisation entziehen. Dies ist nicht der Fall bei dem jüdischen Volke; unter die anderen Volker.,zerstreuet, mit denen -es sich verbindet, ohne mit ihnen zu verschmelzen, bietet es allein das historische Phänomen einer Nationälitäk, die der Zeit und der unmittelbaren Berührung aller socialen Gestaltungen widersteht. Die Juden sind über den ganzen Orient und über den ganzen Oocident htngcstneuet. Nirgends jedoch haben sie alle ihrer Religion und ihrem Stamme günstige Bedingungen so vereinigt gesunden, wie in Holland. Daher hat man vor Allem hier die jüdische Nation - über ihre vergangene Große wie über ihr zukünftiges Geschick zu befragen. Sie ist durch zwei Klassen auf dem holländischen Boden vertreten, die!spanischen oder portugiesischen und die deutschen Juden. Die Geschichte dieser beiden Emigrationen, der Charakter, den sie in .Holland angenommen haben, die Einrichtungen und Sitten-, die ihnen eigenthümstch sind, die Schlüsse, die man. aus ihrer gegenwärtigen Lage auf die allgemeine Bewegung der verschiedenen Zweige der jüdischen Gesellschaft in einigen andern Ländern ziehen kann — das sind Momente, die man nur anzudeutcn braucht, um die Tragweite der durch die Betrachtung der Verhältnisse der Juden in Holland angeregten Fragen zu zeigen und die zugleich die Rich-