Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 11 (August 1857)
- Article
- Die Juden in Holland
- Date
- 1857-08-01
- Page
- 573 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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SSoit Alphon« ESqutro«. 573 an seiner Ausdauer erlahmten alle Verfolgungen, vor ihr fielen alle ״gesetzlichen" Beschränkungen. Vom Sturm der Zetten erfaßt, fortgewirbelt wie ein welkes Blatt, zieht es dahin, über den Erdball, seit nun fast zweitausend Jahren, durch all die Phasen der christlichen Civilisation, von der cs als lebendiges Zeugniß der göttlichen Rache betrachtet wird. Es ist ein ziemlich allgemein angenommener Jrrthum, daß die wette Verbreitung des jüdischen Stammes erst von der Zerstörung des zweiten Tempels durch Titus datire. Allerdings ist dies die Epoche der allgemeinen Zerstreuung der Juden, aber.authentische Denkmäler lassen keinen Zweifel, daß die Niederlassung sowohl gewisser Familien, als auch zahlreicher jüdischer Ansiedlungen in verschiedeneu Theilen der Erde in die Zeit vor dem Untergange Jerusalems fällt — wurde ja der Neubau des zweiten Tempels nur von den Trümmern des Volkes bgrüßt, dessen bet weitem größter Thetl bereit« im fernen Osten zerstreuet war. Man findet selbst in Abyssinien einen jüdischen Stamm, dessen Ueberlieferungen nur bis zur Geschichte des Königs Salomo gehen. Alles was seit dieser Zeit in Israel sich zugetragen, für diese vom Hauptstamme losgetrenntcn Familien ist es so gut wie nicht geschehen. Man glaubt, diese jüdische Colonie sei durch die Königin von Seba nach Abyssinien verpflanzt worden. Ebenso ist China von Juden bewohnt, die gleichfalls ihr Vaterland vor der letzten Katastrophe verlassen haben; in Bombay allein rechnet man 5000 dieser indochinesischen Juden, die sich hauptsächlich mit dem Ackerbau und der Oelfabrikatiori beschäftigen. Sie besitzen keine Abschrift des Gesetzes, jedoch ihre religiösen Ceremonien und ihr Glaube an die Etnbett Gottes haben dem Einflüsse des sie umgebenden Atheismus widerstanden. Sic besitzen eine, wenngleich unvollkommene, Kcnntniß, des Hebräischen, jedoch sprechen sie es, da die chinesische Sprache nicht alle zur Aussprache des Hebräischen nöthigen Laute besitzt, nur schlecht aus. Einige unter ihnen sind selbst mit der Würde eines Mandarinen bekleidet worden. Die Zeit ihrer Einwanderung läßt sich schwer bestimmen; indessen sprechen einige Umstände dafür, daß die Juden aus Bombay sich zur Zeit der Gefangenschaft der zehn Stämme in China niedergelassen haben (?) So viel steht fest, daß dies vor dem Beginn der gewöhnlichen Zeitrechnung geschehen; den