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Jeschurun · 1857-07-01 · Heft 10 (Juli 1857) · p. 544

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1856-1857)
Issue
Heft 10 (Juli 1857)
Article
Deutschland. Bierstadt [Nachricht]
Date
1857-07-01
Page
544 (sequence 2)
Language
German
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544 rmder Rücksichtslosigkeit emgreiffti? Nach welchem Rechte steht dem Rabbiner die Ausübung eines solchen Zwanges zu? Nach dem hier eigentdich in letzt» Instanz entscheidenden jüdischreligiösen Rechte sicherlich nicht. AhG auch bie Regierungen und Behörden, in deren Namen und mit deren Beihilfe n!an solchen GewissenSdruck auszuüben wagt׳, sind sicherlich nicht über den wahren Sachverhalt gehörig aufgeklärt, sonst würden sie nimmer ein solches Gebacren geschehen lassen. Man erzählt, nach beendigtem Aktus habe sogar der Confirmawr die Kindersegen dtn Willen der Eltern zum Schwören aufgefordert. Die Eltern himen ihnen mtt nachdrücklichen! Ernste die Eidesleistung untersagt. Gleichwohl habe man den Eid von ihnen gefordert und ihnen die Eidesformet vorgefagt. Die Kinder waren den! Elterngehorsam-treu geblieben und hätten den Eid versagt. Sie oerstummtcn und waren nicht zumsündhaften ״Ja" zw bewegen gewesen. Welchen Erfolg erwarten die Herren von einer solchen angeblich religiösen ׳ Weihe der Kinder? Wir erwarten den allerheilsamsten. Wir erwarten , daß solche Vorgänge den Kefsten Eindruck aus das Gemüth der Kinder machen und sic mit einem unvertilgbarcn Abscheu gegen eine Richtung erfüllen werben, die׳ den sittlichen Werth ihrer Bestrebungen durch solche Ausschreitungen selbst einem KindeSgemüthe fasibar zum Bewußtfein dringt. 8iß Bücke b ürg, 23. Juni. ״Aus den Gebäuden, die ein Jahr׳ hundert aufführt, läßt sich der herrschende Geist erkennen", sagt ein englischer Geschichtsforscher und, diesem Satze gemäß, müssen wir unsre Zeit nach den erbauten Synagogen beurcheilen. Iemehr oder vielmehr, weil der Geist deS Iudenthums aus dem Leben, aus Haus und Schule, schwindet, sucht man ihm in den geschmückten, glänzenden Raumen rer Teptpel Zufluchtsstätten zu bereiten; weil die Scheu und Andacht, mit oder die Däter die dunklen, entlegenen, manchmal unheimlichen, aber dennochchesiigen Orte betraten, gewichen, streb! man darnach, durch die äußeren Sinn^ auf Herz und Gemüth zu wirken. Wir verkennen keineSwegeS die gute That, freuen uns des Wohlthätigkeitssiunes und der Spscrsähiakeit, die ein solcher Bgu ftelS bervähne; nur möchten .wir, dem Vorurtheib und dem falschen Glauben entgentreten, eure Gemeinde habe nichts Wichtigeres und Nothwendigeres zu thun , als mit großen blnkosten eine Synagoge zu errichten, es sei dieses der Anfang und das Ziel ihres SlrebcnS. Etz giebt wahrlich viele Dinge, die ihr näher am H.rzen liegen, mehr die Aufmerksamkeit auf sich ziehen sollten, und dringendere Abhülfe rrhei« scheu; an Schule und Erziehung, die trotz rer neu׳ w Synagogen meistentheils sehr, im AMen liegen, ist noch Vieles zu bÄien und zu bessern. Burch Schule und Erziehung sollte man vpr Allem rahm wirken, riesen Gebäuden auf die Dauer Besucher und Beter heranzubilden; und so der Gefahr entgegen zu arbeiten, daß sie nicht gar bald verwaist und verödet stehen, üur noch der Schmuck und die Zierde der Städte und Dör-

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