Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1857)
- Article
- Summarische Geschichte der Juden in Frankreich
- Date
- 1857-07-01
- Page
- 530 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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530 Summartschk Geschichte der Juden in Frankreich von A. E. Halphen. überflüssig gehalten, diese aller Welt bekannte Thatsache in der gegenwärtigen Constitution zu wiederholen. Der Art. 7 der von der Constitution gewährleisteten Rechte ist also gefaßt: ״Jeder bekennt frei seine Religion und erhält vom Staate einen gleichen Schutz für die Aus- Übung seines Kultus. Die Diener der Kulte, sowohl der bis jetzt vom Gesetze anerkannten, als derer, die noch in Zukunft anerkannt werden, haben das Recht, eine Besoldung vom Staate zu erhalten". Der Art. 10 endlich um den definitiven Triumph der bürgerlichen Gleichheit zu sanktioniren, drücktj sich also aus: ״Alle Bürger sind in gleicher Weise zu allen öffentlichen Aemtern zuzulaffen, ohne andern Vorzug als den in ihrem Verdienst begründeten und nach den vom Gesetz festzustellcndcn Bedingungen. Adelötitel, Auszeichnungen au Geburt, Klasse und Religion sind für immer abgeschafft." Dies ist der gegenwärtige Stand der Gesetzgebung. Wir können aber diese Darstellung der zahlreichen Anordnungen, welche die bürgerliche Lage der Juden in Frankreich zu allen Epochen unserer Geschichte destimmt haben, nicht besser schließen, als indem wir jene großen Principien niederschreibeu, welche alle die Regierungen, wie verschieden sie auch gewesen, seit 60 Jahren au die Spitze ihrer Verfaffungen gestellt haben. Gleichheit vor dem Gesetze, freie Ausübung der Kulte, Gewissensfreiheit, diese Axiome des öffentlichen Rechtes haben endlich eine solche Macht der Popularität gewonnen, daß sie hoch über alle Regierungsformen hinaus gehoben sind. Welches auch die Form sei, die Frankreich in der gefahrvollen Ausübung jener nationalen Souveränität, mit welcher es so oft ein zweifelhaftes Spiel wagt, sich zu erhalten oder sich zu geben belieben möge, diese geheiligten Rechte können nicht mehr in Frage gestellt werden. Die Vernunft ist endlich in ihre Rechte eingesetzt; die Menschen haben endlich begriffen, daß das Glück nicht in jenen Interessen besteht, die sie thei-- len, sondern in jenen die sie einander nähern, nicht im Kriege, der-zerstört, sondern im Frieden, der begründet; sie haben endlich erkannt, daß der Gott, den sie mit Recht einen Gott der Milde und des Erbarmens nennen, nicht eines jener alten vom Wahn erträumten Gottheiten sei, deren Gunst man zu gewinnen glaubte indem man ihnen Menschen hinopferte.