Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1857)
- Article
- Jüdische dramatische Dichter in Spanien
- Date
- 1857-07-01
- Page
- 508 (sequence 5)
- Language
- German
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508 Jüdische Dichter in Spanien VIII. harrte männiglich auf seiner Unschuld, aber der Präsident des heiltgen Gerichts zeigte ihm, daß er Lutheraner und Calvknist zugleich sei und dazu noch von einer jüdischen Mutter stamine. Diesen letzten Anklagepunkt konnte er gewiß nicht in Abrede stellen Und so sah das Madrider Publikum an einem kalten Jannartage unter Zusammenlauf des wilden Pöbels unter dem sich auch der Hof befand, diesen sonderbaren Verbrecher öffentlich verbrennen. Lope de Vega, der Präsident, wurde später von einer fanatischen Melancholie ergriffen, er geißelte seinen abgelebten Körper so furchtbar, daß die Wände seines Zimmers mit Blutstropfen besudelt wurden, er starb an Raserei — ein jüdischer Arzt hielt ihm die Leichenrede. Der vielgesuchte Oberarzt von Madrid, geliebt vom Volke, geachtet von Fürsten, Herzögcn und sogar dem Könige Philipp IV., dem er sein 1537 erschienenes in der Geschichte der Nautik nicht unbekanntes Werk ״über den Nutzen Schnee und Wasser kalt und frisch zu trinken" widmete, in äußern! Glücke lebend, gab dennoch seine glänzende Stellung, seine königlichen Freunde endlich auf, weil er ihn nicht mehr ertragen konnte, diesen mehr als alle Folter quälenden, inner!! Kampf, diesen sein Gemüth beständig beunruhigenden, seine Ruhe verscheuchenden Gedanken, vor seinem Gotte als Larventräger erscheinen zu müssen. Nicht das plötzlich über Cardoso einbrechende Mißgeschick, nicht das jeden Schritt beobachtende, jedes Wort belauschende, jeden Gedanken erspähende Glaubensgericht, nicht die Inquisition, die, sei sie königlich oder kirchlich, sich immerhin die heilige nannte, führte ihn seinem Judcnthume wieder zu, sondern die freie Wahl, der Trieb seines innersten Glaubensquells, sein Herz, das nie ausgchört hatte, für die ihm angestammte Religion zu schlagen, die mit der Muttermilch eingesogene Liebe zu den Satzungen brachte den lang gehegten Entschluß endlich zur Aussührung, Spanien und Madrid und Alles, was ihm in dieser Stadt lieb und theuer geworden, zu verlassen; seitdem er einmal erkannt hatte, daß es des edel!! Menschen unwürdig sei, Wohlstand, Ansehen und Würde durch eine — Beschränkung im Glauben zu erkaufen, höhere, immer neuen Reiz und neue Wonne schaffende Gefühle dem äußern oft im Nu schwindenden Glücke zu opfern, konnte ihn nichts mehr an den Ort fesseln, der mit so vielen Auszeichnungen ihn überschüttet hatte. Nach Italien, diesem obwohl päpstlichen, aber