Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1857)
- Article
- Jüdische dramatische Dichter in Spanien
- Date
- 1857-07-01
- Page
- 505 (sequence 2)
- Language
- German
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Von Dr. M. Kayserling. 505 Begleitung seines fürstlichen Gönners seines Dörfchens nicht vergessen, vom fernen Lande noch ihm den Gruß gesandt und es in seinem Heldengedichte mit Wärme besungen. *) Ein gewisser Martucho, ein Richter der Jnquisiion, dessen ehrenwerthes Geschäft es war, die mit ״jüdischem Blute befleckten" Christen in einem Fvlivbande zu vertheidigen, ging aus diesem Dorfe hervor und ward nach seinem Geburtsorte de Cerolico genannt, * 2') und Rodrigo Men des Sylva, der spanische Ltvius, der Phönix von Portugal, der königliche Historiograph, der wirkliche Geheimerath von Castilien nannte Cerolico seine Heimath und bearbeitete, nachdem er lange genug für König und Reich geforscht und geschrieben hatte, gegen Ende seiner Tage alS letzte Hinterlassenschaft seiner historischen Untersuchungen 3) — die Geschichte seines Dörfchens, seines ihm theuren Cerolico. Dieses Cerolico war ein Dörfchen mit Juden, geheimen, verkappten, unglücklichen, gemarterten Juden! Denn wo gäbe es wohl eine Gegend auf der großen weiten Erde, wo fände man wohl einen Ort auf der einst so bevölkerten hesperischcn Insel, wohin es nicht gedrungen wäre das Volk, das die ihm vor Jahrtausenden gewordene Verheißung, auf der ganzen Erde zerstreut, aber doch zu sein, so augenscheinlich an sich und in sich getragen hätte? Ganz besonders Beira zeichnete sich als eine an Juden reiche Provinz aus und Cerolico hatte seine Märtyrer, seine glaubens- und geistcsstarken, thatcnreichen Helden, von denen Einen vorzuführen und zu betrachten wir uns in diesem Artikel zur Ausgabe gestellt haben. Jsaac Cardvso, der Arzt und Naturforscher, der Philosoph und Dichter, der rüstige Kämpfer für Freiheit des Denkens, der geschickte Polemiker gegen fremde Verunglimpfung, der jüdische Märtyrer wurde in Cerolico gegen Anfang des 17. Jahrhunderts geboren. Hier verlebte er als Fernando die schönen Tage seiner Kindheit, frei und sorglos, noch nicht ahnend, welcher Kummer die Herzen seiner Eltern beschlich, ohne zu verstehen die tiefen Seufzer, welche ihrem Innern entströmten, ohne zu begreifen, warum sie ihren Gott nicht so laut, so offen verehrten und anbeteten; hier Silveyra, Macabeo, 15. Ges. 9. Stanze. Mira de Cerolico el alta eumbre etc, 2) Barbosa, bibl. lusit. III, 439, Nie. Anton., bibl. Hispan. II, 80, 2. 8} Jorge Cardoso, Agi. Lusit. III, 72. 2.