Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1857)
- Article
- Deutschland
- Date
- 1857-06-01
- Page
- 487 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Dritter Jahrgang. Zweites Beiblatt zum Juniheft. Ausgegeben den 17. Juni 1857. In dieses Beidlatr werden Inserate zu 3 kr. pr. Zeile oder deren Raum ausgenommen. -Da mit dem 1. Juli ein neues Quartal beginnt, so erinnern wir an gef. baldige Erneuerung des Abonnements damit die regelmäßige Zusendung keine Unterbrechung erleide. Deutschland. Kg Bückeburg, 16. Mai. *) Die am S. d. M. stattgefundene Feier des 50jährigen Jubiläums unsres Fürsten giebt mir Anregung und Stoff auch einmal in einem jüdischen Blatte unsres Städtchens und seiner Gemeinde zu erwähnen und aus dem Dunkel an die Oeffentlichkeit hervorzutreten. Es soll jedoch nicht ein Rückblick auf die Vergangenheit der Gemeinden dieses Ländchens, auf die Veränderung der bürgerlichen Stellung, auf die Wandlung, die auf religiösem Gebiete vorgegangen, hier gegeben werden, sondern beschränke ich mich heute auf die ungeschmückte Erzäblung der Thatsache, die mich zum Schreiben veranlaßt hat, alles Andre auf später verschiebend. — Ilm dem Fürsten ein Zeichen der Liebe und Theilnahme, die die Wiederkehr eines so seltenen Festes überall erregte, zu geben, wurde von Seiten der Bürger beschlossen, eine große Denkmünze prägen zu lasten und vie Kosten durch eine allgemeine Zeichnung zu decken. Daß die jüdischen Einwohner gegen keinen ihrer christlichen Mitbürger zurück standen, bedarf wohl kaum einer Erwähnung, da ja überall bei derart:- gen Zeichnungen die Namen der Juden hervorglänzen. Sie glaubten hiermit ihrer Pflicht genügt zu haben und beschlossen auf keine Weise an diesem Tage als Corporation aufzutreten. Aber der alte Feind, der Kastengeist und im Bunde mit ihm der nie schlummernde Haß, sorgte dafür, sie von diesem Vorsatz abzubringen. Daß die adeligen Damen durch Ueberreichung eines besondern Geschenkes ihre innige Theilnahme an den Tag legen wollten, war leicht erklärlich und überraschte nicht; desto tiefer fühlte mau sich aber gekränkt und verletzt, als man erfuhr, daß auch die bürgerlichen Damen zur Anfertigung eines Perltisches zusammengetreten seien und nach längerer Debatte beschlossen hätten — alle Juden auszuschließen. Eine solche Zurücksetzung konnte man nicht ruhig ertragen und glaubte man sich in die Notwendigkeit versetzt, jetzt *) Verspätet.