Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1857)
- Article
- Die Juden in Rheinbayern
- Date
- 1857-06-01
- Page
- 484 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Juden in Rheinbayern. Aber an der Zerstreuung der christlichen Religionsparteien ist's noch nicht genug, heißt es in einem lesenswerthen Artikel der A. A. Z. über das ״kirchliche Volksleben in Rheinbayern;" es kommen auch noch die Juden. In der bayerischen Rhetnpfalz ist von je 37 bis 40 Menschen Einer mosaischen Glaubens, im Kanton Grünstadt sogar Einer unter dreizehn und im Dorfe Stetnbach bei Waldmoor nahezu Einer unter dreien. Es ist ein Wahrzeichen des Landes, daß die Vogesenkette hier einen ״Mosesberg" hat, und dazu ein ״Mosesthal" und einen ״Mosesbruch" — die in einem wahren orographischen Ghettowinkel liegen, in der Wüste, nicht im gelobten Lande, am Saum der Frankenweide, des rauhesten und dorfärmstcn Gebirgsrückens. Als die Stadt Ludwigshasen noch keine Kirche, keinen Kirchhof und kein Straßenpflaster gehabt, hatte sie doch schon eine ״Judengasse" — auf dem Stadtplan wenigstens. Gleich den Menoniten haben sich auch die Juden in neuerer Zeit immer ebenmäßiger über das ganze Land verbreitet. Im Jahre 1800 gab es auf dem Gebiet von drei der heutigen Kantone gar keinen Juden,, und in vier Kantonen wohnten weniger als. hundert; heute leben Juden in jedem Kantone, und nur die Kantone Landstuhl und Neuhornbach haben noch eine auffallend niedrige Juden- Ziffer. Wir stoßen hier auf ein für unsere Zeit wichtiges Gesetz des Volkslebens. In der alten Kurpfalz wird es am Ausgang des Mittelalters als eine der ersten Spuren einer Landesverfassung angesehen, daß der Kurfürst beim Regierungsantritt unter anderm be-