Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1857)
- Article
- Deutschland : Carlsruhe [Nachricht]
- Date
- 1857-05-01
- Page
- 437 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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437 Großherzogliche Seminardirektion mehrere, keineswegs unerhebliche Mißstände zur diesseitigen Kenniniß gebracht haben, welche dadurch entstehen, baß diese Zöglinge ohne gehörige Aufsicht zerstreut in der Stadt leben. Beide Behörden haben daher wiederholt und dringend das Ansinnen an uns gestellt, zur Verhütung dieser Mißstände kräftige Maßregelnzu ergreifen. Diese Verhältnisse rufen laut um Abhülfe, wir können und dürfen diesem Nus nicht länger unser Ohr verschließen. Wir haben daher dringend für geboten erkannt, erstens dafür Sorge zu tragen, daß die israelitischen Schulzöglinge durch eigends hiefür anzustellende wissenschaftlich gebildete Lehrer genügender! Neligionsunrerricht bis zu ihrer völligen Ausbildung erhalten, sodann aber noch, sofern die Mittel hierzu ausreichen, daß ihnen ein anständigeres und mehr beaufsichtigles Unterkommen als bisher geboten werde. Das Großherzogliche Ministerium des Innern hat in gerechter Würdigung der von uns in dieser Beziehung vorgetragenen Verhältnisse durch Beschluß vom 17. März l. I. Nro. 3515 gestattet, daß behufs der Erreichung dieser Zwecke eine allgemeine Collekte unter dem Zsraeliten des Landes eröffnet werde. Wir verhehlen es uns keineswegs, daß die Ausführung unseres Planes große Anstrengung und Mittel erfordert; wir wissen aber auch, und dürfen es getrost aussprechen, daß unser Ziel großer Anstrengung und Mittel wertb ist. Unsere Angelegenheit ist eine Angelegenheit des Landes, und ver- Irauensvoll rufen wir daher alle begüterten israelitischen Einwohner auf, uns beizustehen, und kräftigst mitzuwirken zu dem gottgefälligen Bau, den wir zu errichten gedenken. Ihr Alle die Euch Gott mit Glücksgütern gesegnet hat, und die ihr vielleicht durch einstige Stiftungen für Euer Seelenheil zu sorgen gedenket, leget hier Euer Schärflein nieder, es handelt sich hier nicht nm die Unterstützung eines Hülfsbedürftigen, um Äufrichtuug einer durch Armuth niedergebeugten Familie, es handelt sich um das zeitige und ewige Wohl unserer Kinder und Enkel. Auch die kleinste Gabe ist uns willkommen, aber die von Gott gesegneten mögen bedenken, daß nur durch erklekliche Beiträge die Durchführung unserer Zwecke ermöglicht wird, und daß die Art und Weise derselben von der Größe der Mittel abhangt, die uns zur Verfügung gestellt werden. Wir vertrauen dem biedern Sinne unserer Glaubensgenossen, daß er die hohe Wichtigkeit unseres Vorhabens gehörig würdigen, und uns demzufolge in den Stand setzen werde, die von uns beabsichtigten Einrichtungen recht bald Ln erfreulicher Weise ins Leben zu rufen, eingedenk des erhabenen Wortes!׳ ״ .Die göttliche Lehre ist ein Baum des Lebens, für alle, die daran festhalten, und die sie erfassen, werden beglückt werden." (Sp. S. 3. B. 18.) Carls ruhe, den 23. April 1857. Großherzogl. Badischer Oberrath der Israeliten.