Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1857)
- Article
- Frankreich : Paris [Nachricht]
- Date
- 1857-05-01
- Page
- 432 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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432 offenes Heiligthum für Me, die Gott und'die Wahrheit suchen, aber lein unverletzliches Asyl -für die Straflosigkeit aller Verirrungen .... Neben den gefahrvollsten Folgen und Keimen verderblichster Auflösung, die aus dem Mangel jeder Norm hinsichtlich der Zulassung in den jüdischen Gemeindeverband entspringen, stehen auch noch materielle Folgen von äußerster Schwere. Das französische Judenthum, obgleich der Staat den größten Theil seiner Kosten trägt, ist gleichwohl das ärmste in der Welt. Es hat durchaus nicht die geringste Hilfsquelle, kein Kapital, keine Einkünfte um dringenden Bedürfnissen oder unvorhergesehenen Ausgaben zu begegnen. Für außeordentliche Ausgaben,muß man zu der individuellen Freigebigkeit Zuflucht' nehmen, muß betteln gehen von Haus zu Haus, bei dem Einen an die Wohlthätigkeit und Frömmigkeit apelliren, bei dem Andern an den Stolz und die Eitelkeit. Für gegewöhnliche, durch den Staatsschatz nicht gedeckte Ausgaben muß man alle Art Hilfsmittel ersinnen, alle Art Spekulationen anwenden. Gegenstände des Kultus, gottesdienstliche Ehren, Segnungen der Lebendigen und Tödten müssen zu enormen Preisen verkauft, die Miethpreise der Tempelsitze unaufhörlich erhöht werden, Koscherfleisch, Ethragim u. s. nll muß man besteuern; verschiedene Classen für Trauungen und Beerdigungen statuiren, glänzende Trauungen für die Reichen und arme Trauungen die Begräb- Nissen gleichen; immer mehr und mehr muß man die alte und heilige Gleichheit in Israel zerstören, die Gleichheit vor dem Grabe und die Gleichheit vor Gott; ja man muß geradezu unjüdische Ceremonien schaffen, auf die beklagenswertheste Weife das religiöse Gefühl ausbeuten, und das Hans des Herrn zu einem Kramladen herabwürdigeu! Alle diese Misere, alle diese Simonien, wir hätten bald gesagt, alle diese frommen Jmmoralitäten, würden sie nicht aufhören, wenn die Gemeinde ordentlich organisirt und jedes ihrer Glieder gehalten wäre, nach seinem Vermögen zu den Kosten des Kultus, zu den Bedürfnissen des religiösen Unterrichtes, der öffentlichen Wohlthätigkeit u. s. w. beizutragen? — — — Aber um ein Mitglied der Gemeine des Herrn zu sein, genügt es nicht, ein weniges Geld hinzugeben und der Religion einigen Abhub von der Tafel zuzuwerfen; man muß auch sein Herz und seine Seele mitbringen und dem Glauben unserer Väter öffentlich huldigen. — Man müßte religiöse Bedingungen aufstellen, allen begreiflich machen, daß man noch/ darum nicht Jude sei, weil man nicht Christ noch Türke ist, oder an gar .nichts glaubt — — — Unsere Religion würde ihre Abdankung und ihre eigene BerurtbeiluNg aussprechen, sie müßte an ihre Znkunft verzweifeln und den Glauben an ihre Göttlichkeit verlieren, wollten sie einwilligen, Männer als Häupter uüd Führer zu haben, die nicht einmal die religiösen Pflichten der jüdischen Familien erfüllten, Pflichten, deren Uebertretung die Forterhaltung des Abrahams-Stammes und die Existenz des Glaubens des Einen Einzigen Gottes auf Erden so tief gefährden. Ein heidnischer Priester, Jethro, rieth Moses zum Besten seines Volkes nicht