Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1857)
- Article
- Frankreich : Paris [Nachricht]
- Date
- 1857-05-01
- Page
- 431 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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- IRI
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♦ Dritter Jahrgang. Erstes Beiblatt zum Maihest. Auögegeben den 5, Mai 1857. Irl dieses Beiblatt werden Inserate zu 9 kr. pr. Zeile oder deren Raum ausgenommen. Frankreich. Paris, im April 1857. Nach einem im U. J. gegebenen Schilderung befinden sich die jüdischen Commnnal-Verhältnisse in Frankreich und in Paris insbesondere in einer eigenthümlichen Lage. Das französische Iudenlhum, heißt es daselbst unter Anverm, hat hohe und niedere Autoritäten, geistliche und weltliche Häupter, kirchliche und nichtkirchliche Administratoren, einen ganzen Generalstab von Generälen und Offizieren, aber es hat keine Armen, es hat keine Gemeinde, es hat nicht einen einzigen Menschen, der auch nur die geringste Pflicht gegen dasselbe zu erfüllen hätte. Die künstlichste Organisation des Kultus wird aber stets mangelhaft und fruchtlos bleiben, so lange ihr die Basis des Ganzen, die Gemeinde fehlt. Sehen wir Paris. Wer nur sich Jude nennt, wird zu allen religiösen Ehren, zu den höchsten Funktionen des Judentums zugelassen; aber er braucht nicht die geringste Pflicht zu erfüllen, um alle diese Rechte zu genießen; er braucht keinen Pfennig für die Erhaltung seines Kultns zu zahlen; er braucht kein einziges seiner Gesetze zu erfüllen; er kann ösfentlich alle Gebote der jüdischen Religion übertreten; er kann seine Kinderzur Taufe führen, seine Mische Geburt verleugnen und verwünschen, ganz außer dem Bande mit Gott und Israel leben, und doch muß die Synagoge ihn als Mitglied oder als Oberhaupt zulasten, muß ihm mit klingenden! Spiele ihre Pforten öffnen, wenn er ihr zufällig einmal die Ehre eines Besuches gönnt oder sie einmal wie einen Ballsaal miethen will, mn darin ein Familienfest, eine Prunkschau des Hochmuthes und der Eitelkeit zu feiern .... Die Synagoge unterliegt der grausamsten Erniedrigung, dem tyrannischsten Despotismus, wenn man sie zwingt, diejenigen als ihre Kinder und ihre Herren anzuerkeunen, die ihr ins Angesicht schlagen und ihre Vorschriften mit Füßen treten. Der Kultus ist wahrlich gesunken, der zu der Schande herabgekommen, die Hand wie ein Bettler ausstrecken zu müssen, um von einem Vorübergehenden ein Almosen zu empfangen, anstatt wie ein Gott alle Opfer und alle Hingebung, die Achtung und Verehrung der ganzen Welt zu fordern. Unsere Religion ist voller Duldung und Mitleid gegen alle Sünden, aber darf nicht ihren reinen und himmlischen Talar ihnen zu Füssen werfen, um ihnen zur Brücke zu allen synagogelen Ehren zu dienen; unser Tempel ist ein