Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1857)
- Article
- Summarische Geschichte der Juden in Frankreich
- Date
- 1857-05-01
- Page
- 429 (sequence 2)
- Language
- German
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429 Von Alchlllk Edmund Halphen. ausgenommen zu haben. Er ließ sie an seinen Hof zu, vertraute Einigen von ihnen wichtige Funktionen an und schickte einen gewissen Isaak als außerordentlichen Gesandten an den berühmten Harunal-Raschid. Um׳ diese Zeit gab's schon einen ״Inden-Meister" (Meister luäseoruin), dessen Funktionen wohl einige Aehnlichkeit mit denjenigen gehabt schaben müssen, welche später dem Grafen d’Etampes erthcilt wurden. Die Verfolgung begann wieder unter Philipp I., der im Jahre 1096 die Juden aus dem Reiche jagte. Nach und nach waren sic wieder in Frankreich etngezogen, oder waren doch noch in einigen Städten geduldet worden, als unter Philipp August eine Blut-Epoche begann, die fast ohne Unterbrechung bis ans Ende des vierzehnten Jahrhunderts dauerte. Seitdem wurde Alles aufgeboten, diese Unglücklichen auszurotten, die gleichwohl dem Glauben ihrer Väter treu blieben. Während dieser traurigen Zeit läßt sich das Schicksal der Juden in drei Worte zusammen fassen: Raub, Mord, Niedermetzclung. Durch eine erste Ordonnanz vom Monat April 1182 bestehlt Philipp August den Juden, innerhalb drei Monaten das Land zu verlassen, confiscirt ihre liegenden Güter und läßt ihre bewegliche Habe verkaufen. Eine andere Ordonnanz von demselben Datum ertheilt ihren Debitoren völligen Schuldenerlaß unter der Bedingung, den fünften Theil ihrer Schulden an den Fiscus zu zählen. In diese Zeit setzt man die den Juden zugeschriebene Erfindung der Wechsel. Nach fremden Ländern, insbesondere nach der Lombardei geflohen, sollen sie Kaufleuten und Reisenden Anweisungen auf Inhaber ihrer Werthsachen in Frankreich gegeben haben. ״So sah man, sagt Montesquieu (Esprit des Lois B. XXI Kap. XX) den Handel ans Mißhandlung und Verzweiflung bervorgchen. Die abwechselnd aus jedem Lande verwiesenen Inden fanden das Mittel, ihre Güter zu retten. Dadurch machten sie ihre Zufluchtsörter stabil. Denn ein Fürst, der sich auch gerne ihrer entledigen möchte, würde doch nicht gelaunt sein, ihr Vermögen eiuzubüßen. Sie erfanden die Wechselbrtefe, und durch dieses Mittel konnte der Handel der Ge- Walt entgehen und sich überall erhalten. Der reichste Handelsmanu hatte fortan nur unsichtbare Güter, die überall hin geschickt werden konnten und nirgends eine Spur nachließen."