Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1857)
- Article
- Ijar
- Date
- 1857-05-01
- Page
- 391 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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- IRI
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389 Äjar. dem Rücken und dem Wanderftab in den Händen seine göttliche Erwählung doknmentirte. Was hätte es werden müssen unter allen diesen Erniedrtgungen, wäre es eben nicht dieses erwählte Volk gewesen! Wagt ihr die Probe mit einem andern Menschenstamme, mit einer andern Lehre im Busen? Was hätte der Jude werden müssen unter euren Händen? Was hätte dein Großvater unter solchen Erniedrigungen werden müssen, freier, glücklicher, dein Glück nicht kennender jüdischer Jüngling der Gegenwart? Nicht ein Mensch, in dessen Brust jeder höhere Gedanke erstorben, in dessen Gemiith nur der Neid und die Bosheit und die Gier ihr Reich aufgeschlagen, dessen Geist für nichts empfänglich als für die Frage: wie schafft man Geld? dessen Herz für keine menschliche Regung mehr zugänglich, dem die Noch »nd das Elend und der Ricsenkampf um das nackte Dasein nur das Gefühl für das eigne Ich und seine schreiendsten Bedürfnisse, und keinen Raum mehr gelassen für Familtenbande, Geschwisterzärtlichkeit, Menschenliebe — bei dem die Wahrheit und das Recht und die Sittlichkeit und Menschlichkeit zu Grabe gegangen, bei dem die Thterheit in ihrer nackten Blöße zu Tage getreten, und in dessen Kreis sich hätte ein Proletariat entfalten müssen, dessen Schrecknisse und sittliche Verkommenheit Alles hinter sich hätte lassen müssen, was nur die düsterste Phantasie moderner Schrifsteller aus den Nacht-Spetunken der glänzenden Centralpunkte der heutigen Civilisation schauvernd abzulesen pflegt —? Und siehe, von diesem Allen ward der Jude nichts, nichts dein Großvater, glücklicher Jüngling, mitten in der Erniedrigung nichts; mitten in der Erniedrigung hielt er Kopf und Herz an rechter Stelle, fand die Wahrheit und das Recht und die Liebe und die Sittlichkeit ihre reichste Pflege tu seinem Kreise, entfaltete er ein Familienleben, um das ihn die Menschheit beneidet, entfaltete er eine Sittlichkeit, um die ihn die Menschheit beneidet, entfaltete er eine Menschenliebe, um die ihn die Menschheit beneidet, wußte n seine ärmsten Brüder hoch über den Pfuhl des Elends und der Verkommenheit empor zu halten, wußte sich einen klaren Geist und ein warmes Herz, ein stolzes Selbstbewußtscin und eine Freudigkeit und Heiterkeit des Lebens zu bewahren, die du außer den Ghettis vergebens gesucht, und wußte vor Allem nicht nur in seinen