Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 7 (April 1857)
- Article
- Ansprache eines nüchternen Trunkenen in einer Versammlung trunkener Nüchterner
- Date
- 1857-04-01
- Page
- 381 (sequence 5)
- Language
- German
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am Purim 5617. 381 gen Eures Lebens, die ruhig und unbehindert dahin rieseln werden, rote die Tröpflein der Wasseruhr; Purim sei kein Festtag mehr, fordere, rufe nicht mehr auf zur Freude, zur Fröhlichkeit?? O, Ihr bethörten Trunkenen, trunken von einigen Augenblicken der laug ersehnten Ruhe! Seht Euch doch um auf dem großen Markte, wo wir stehen! Ist das Geschlecht der Hamane gänzlich ausgestorben mit ihm und seinen zehn Söhnen? Findet Zhr vom Rheine bis zur Oder, von der Rega bis zur Donau Niemanden, der würdig wäre, sein Nachfolger zu sein? — Werdet doch entnüchtert und schauet! Wahrlich, trübe gestaltet sich des Juden Horizont. Das deutsche Klima konnte selbst mit der lauen Temperatur eines schönen Frühlingstages sich nicht vereinigen und schon hängen Gewitterschwangere Wolken am Himmel. Und auch im eignen Kreise mehren sich die trüben Anzeichen einer düstern Regenzeit. Mehr als je darum thut es Noth, den Purim in unsere Mitte einzuführen, uns zu erinnern an all die Gewitter- und Regenwölken, die der Herr in Seiner Gnade an Seinem Volke vorübergeführt, auf daß wir neuen Muth schöpfen für die Stunden des Leids, auf daß wir heiter und froh, fröhlich und zufrieden bleiben, trotz aller Hamanischen Versuche der Gegenwart und ausdauern, wie unsere Väter ausgedauert. Laßt uns einpflanzen den heitern Purimgeist, der da lehrt, im Glück und im Ungemach nicht zu vergessen unseres Vaters im Himmel, nicht zu vergessen unserer Ausgabe: Juden zu fein; der da lehrt heiter im Bewußtsein des göttlichen Schutzes und Beistandes die Gewitterschauer der Geschichte zu ertragen und auch im Sonnenscheine des Glücks nicht zu lassen von Ihm und Seinem göttlichen Gesetze. Laßt ihn uns einpflanzen in das Gemüth unsrer Kinder, diesen Geist der wahreu Heiterkeit, der ächten Fröhlichkeit, auf daß er ihr Begleiter sei durchs ׳Leben, sie stärke und tröste und schirme in den stürmischen Nächten und sie schütze und behüte vor dem Sonnenbrand am heißen Mittag. So gehet denn hin und nehmet die Rolle zur Hand und leset es Euch vor und leset es auch Euren Kindern vor und leset es auch den noch lebenden Söhnen Haman's vor, wie Haman, der Alte, sich bemüht hat, alle Juden und alles Jüdische zu vernichten, von