Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 7 (April 1857)
- Article
- Aus Hamburg
- Date
- 1857-04-01
- Page
- 375 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus Hamburg. 5׳37 vött dem Schüler strenge gerügt, und die Mutter ist, so oft sich dieser Fall ereignet, sehr erfreut, daß ihr Söhnchen so gut die Grammatik inne habe. Sollen wir uns noch wundern, daß unsere Kinder so aus der Art schlagen, daß sie, sobald es die Umstände erheischen, keinen Anstand nehmen, die Thora, die sie ja doch nicht kennen, gänzlich bei Seite zu schieben? Das meinen wir vielleicht, daß mit dem hebräisch Lesen und einem geistlosen Uebersehen des Chumesch die Thorawissenschaft erschöpft sei, wenigstens in so weit, daß wir Elern ruhigen Gewissens die Hände zum Himmel emporstrecken können und sagen: wir haben das Unsrige gethan; wandeln unsere Kinder einen Unrechten Weg, so ist unser nicht die Schuld?? Wir leben nicht mehr in jenen Zeiten, wo der Jude beinahe lediglich aus den engen beschränkten eignen Kreis angewiesen war. Unser Jahrhundert, das so manches Unrecht gut zu machen bemüht ist, hat auch angefangen, dem jüdischen Volke Abbitte zu thun für die jahrhundert lange Schmach. Ans den engen Verhältnissen sind wir hinausgetreten um cinzngehcn in die ganze große Menschenfamilie, und nehmen Antheil an all dem Erhabenen, Schönen, was Humanität und Cultur, Industrie und Wissenschaft erzeugt. Nicht mehr also genügt es, unsere Jugend an die herabgeerbten Väterlichen Sitten und Gebräuche zu gewöhnen; wir müssen sie fähig machen, den ganzen Kampf mit unjudischer Weltanschauung und unjüdischcn Ideen zu bestehen. Und das können wir nur erreichen, wenn wir sie klar machen über die welthistorische Erscheinung und Bedeutung des Judenthums, wenn wir ihnen Liebe und Begeisterung einsiößen für die große herrliche Mission, die der jüdische Glaube und seine Bekenner zu vollbringen hat. Nur wenn wir das erreicht Haben, dann können wir sagen, wir haben unsrer Elternpflicht genügt. Und gerade darin haben wir es versehen. Wenn wir unsere Söhne zu guten Gcschäftsmännern bilden wollen, so lehren wir sie die Handelswissenschaft; wenn wir aus ihnen rechtschaffene Juden erziehen wollen, müssen wir sie mit der jüdischen Wissenschaft vertrant machen und zwar so vertraut, daß sie, sowie sie im merkantilischen Leben überall als gediegene Kaufleute erscheinen, auch überall in allen WechselMen des