Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 7 (April 1857)
- Article
- Die Bürgschaft
- Date
- 1857-04-01
- Page
- 369 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Bon Dr. S. Dessau. 369 Horch, da tönt's herab von Oben, aus den Lüften hört man's rufen: ״Tretet nicht mit leeren Händen hin vor meines Thrones Stufen! ״Soll ich euch das Kleinod schenken, euch die Lehre offenbaren, ״Sagt, wer soll für euch denn bürgen, daß ihr treu ste wollt bewahren? ״Meiner Krone schönsten Demant geh' ich euch als Bundeszeichen, ״Wird sein Glanz in euren Händen nie sich trüben, nie erbleichen? ״Tief im Herzen ruht verborgen wilder Kampf der Leidenschaften — ״Darum stellt mir sichre Bürgen, die für eure Treue haften!" Und das Volk, das unverzaget in der Knechtschaft harten Tagen Die Erinnerung alter Zeiten stets in seiner Brust getragen, Das der Vorzeit theure Namen und der Sprache süße Klänge Nicht vertauscht und nicht verloren trotz der feilen Vögte Strenge, O, wie stolz und muthig dürft es jetzt die Blicke rückwärts wenden Und der Väter Angedenken für die etg'ne Treu' verpfänden! ״Unsre Väter," riefen Alle, ״wollen Bürgschaft für uns geben! ״Darfst du solcher Väter Söhne nicht zu deinem Volk erheben?" Und von Oben ruft die Stimme wieder durch der Flamme Lodern: ״Solches Pfand ist nicht genügend, Bess'res muß ich von euch fordern! ״Abraham hat einst gezwcifelt, Isaak irrt' in seinen Söhnen, ״Jakob könnt' in trüber Stunde sich von mir verlassen wähnen. ״Selbst bedürfen sie des Bürgen, die im Glauben doch verzagen ״Und des Zweifels letzte Reste immer noch im Herzen tragen. ״Ewig fest, wie diese Himmel, ewig rein wie ihre Bläue, ״Also fordr' ich von den Menschen feste, reine Glaubenstrene!" Sieh, da lenchtet's auf im Volke, Freude strahlt in alle» Zügen: ״Unsre Kinder nimm zu Bürgen, dieses Pfand wird dir genügen! ״Die mit Thronen einst geboren, die mit Thränen aufgezogen, ״Die in bitter«-Todesnöthen wir gerettet aus den Wogen, ״Diese Kinder, unser etnz'ges Kleinod in des Elend's Tagen, ״In die Wüste, dir gehorchend, hat ste unser Arm getragen, ״Daß auch ihre leise Stimme, lieblich, wie der Engel Chöre, ״Deine Worte hier vernehme, deine Lehre mit beschwöre. ״Mögen sie für unsre Treue dir als sich're Bürgen dienen, ״Und wenn einst die Väter sünd'gen, ihre Schuld die Enkel sühnen!"