Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 7 (April 1857)
- Article
- Die Bürgschaft
- Date
- 1857-04-01
- Page
- 368 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Vre Bürgschaft Gedicht von Dr. Sanmel Dessau, Gesprochen am Schluß der Prüfung der Unterrichts-Anstalt der israelitischen Religions-Gesellschaft in Frankfurt a. M., am 2 6. März 185 7. Der diesem Gedichte zu Grunde liegende Stoff ist entlehnt aus Schir haschirim rabba, I, 4. Morgen war's am dritten Tage, wo der Herr der Htmmelsschaaren Sein Gesetz für alle Zetten wollt' den Menschen offenbaren. Und wie auch die Blitze glüh'ten, und wie auch die Donner grollten, Als ob Himmel sich unb Erde in dem Sturm verbinden wollten — Felsenfest stand jenes Völkchen, das in Leid uitb Schmerz geboren Sich der Herr zum wtll'gen Träger seiner Lehre auserkoren, Stand das Völkchen, noch vor Kurzem tief gebeugt, ein Knecht der Knechte, Jetzt ein siegesfreud'ger Sprosse aus dem ältesten Geschlecht?, Das, mit noch von Geißelhiebcn jämmerlich zerfleischtem Rücken, Dreier Tage nur bedurfte, sich für feinen Gott zu schmücken. — Und im Lager war's so stille, ausgeleert war jede Hütte, Denn am Fuß des Berges draußen, ihren Führer in der Mttie, Standen Alle jetzt versammelt, Kinder, Greise, Männer, Frauen, Was kein Sterblicher geahnet, off'nen Auges auzuschauen, Und die Lehre, deren Schöpfung einst der Welt vorangcgangen, Aus der Hand des Ew'gen selber das Vermächtntß zu empfangen.