Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 6 (März 1857)
- Article
- Deutschland : Berlin [Nachricht]
- Date
- 1857-03-01
- Page
- 319 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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Dritter Jahrgang. Erstes Beiblatt zum Februarhest. Ausgegeben den 1. März 1857. In dieses Beiblatt werden Inserate zu 3 kr. pr. Zeile oder deren Raum ausgenommen. Deutschland. Berlin, 15. Februar. י Ein so eben erschienenes Buch des Abgeordneten Wagener über die Stellung des Judenthums zum Staate führt den Titel: ״Das Judenthum und der Staat. Eine historisch-politische Skizze zur Orientirnng über die Judenfrage. Herausgegeben und mit einem Vorworte versehen von Hermann Wagener, Mitglied des Hauses der Abgeordneten für Neu-Stettin." Es finden sich im Vorworte u. A. folgende Stellen: ״Keinesweges, wie man wohl es darzustellen versucht hat, ein Fetnd, sondern ein aufrichtiger, eifriger Freund des historijchen, rechtgläubigen Judenthums, und je länger, desto mehr von der Ueberzeugung durchdrungen, daß für Christen und Juden die Zukunft des Messias (für jene die zweite, für diese die erste) die einzige hellleuchtende Hoffnung in den Finsternissen und Jrrgängen der Gegenwart geblieben, hat es mir schon lange am Herzen gelegen, die rechte, so wie allein mögliche Gestalt des Judenthums im Zeitalter des Exils in's Leben zu setzen." In Kurzem ist der Inhalt des Buches der: Keine Emancipation der Juden. Weder der Begriff des christlichen Staates duldet sie, noch das Judenthum selbst, das nur in der Absonderung seine religiöse und nationale ״Persönlichkeit bewahren kann", ״anderseits aber keine Beschränkung auf irgend einem Gebiete, die nicht aus den Geboten der jüdischen Religion selbst entnommen ist." Der Staat hat indeß gar nicht den Beruf, allen Religionsparteien und Seeten für ihre specifischen Gebote seine weltlichen Mittel zur Erecution zu leiheu. Da müßte der Staat am Ende sich in alle dognratischen und exegetischen Streitigkeiten einmischen, die innerhalb dieser verschiedenen Seeten schon jetzt mit einander im Kampfe liegen und noch künftig sich erheben können. Hr. Wagener z. B. ist Jrvingianer und legt, wie es scheint, als solcher gewisse Bibelstellen dahin aus, daß die Juden nach ihrem gegenwärtigen Exil wieder versauunelt und bei der ״zweiten Zukunft des Messias" als Volk zum Christenthum übergehen sollen. Viele andere Christen und Juden machen sich andere Vorstellungen über die Bestimmung des ״Judenthums." Der ״Staat" aber läßt Hrn. Wagener und die Anderen gleichmäßig gewähren; er entscheidet ihren Streit nicht, welche Vollmacht hätte