Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 6 (März 1857)
- Article
- Jüdische dramatische Dichter in Spanien
- Date
- 1857-03-01
- Page
- 318 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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318 Jüdische Dichter von Dr. M. Kayserling. liche Messiaözeit, wo Israels Häuflein nicht mehr geknechtet, gedrückt, gefoltert und vertrieben, wo Gott in-seiner Einheit als der Alleinige von den Bewohnern der ganzen Erde anerkannt werden wird. Schon singt er in dem 78. Psaltn, der Israels Geschichte von Jakob, dem Vielgeprüften, dem kräftigen Kämpfer und Gottesstretter, bis auf die spätesten Zeiten mit allen Vergehen und Heimsuchungen erzählt: Bald werden wir zu Deinem Tempel wallen, Zu Dir, o Gott, unser Lob erheben. Dann werden sie gern Dir dienen — sie, Die Deinen Tempel zerstört, Dein Land grausam verwüstet haben, Die gegen Dich so oft sich haben verschworen, Deiner armer Kinder nicht geschont. In unfern Tagen, o Gott, in unfern Tagen Bethätige das, was Du hast verheißen, Vollsühre dein Werk, Send' Deinen Gesalbten, Deinen gesalbten Königssohn, Und Dein Haus erbaue wieder. Dergestalt liefert uns die Psalmen-Uebersetzung Melo'S nicht allein wichtige Notizen über sein eigenes Leben und die damaligen Zustände seiner Glaubensgenossen, sondern ״ eröffnen uns auch die geheimsten Falten seines für das Jndenthum warm schlagenden Herzens. Das Bild des Glaubensgerichts, welches Vermögen, Freiheit und Leben eines Jeden in Händen hatte, Rache, Berwünschungen und Mesiaszeit füllen die Seele unseres Dichters. Seine Uebersetzungen sind da, wo sie bloße Uebersetzungen sind, ausgezeichnet, und den Dichtungen Herrera's, dem von seinen Zeitgenossen der Beiname, der göttliche, verliehen wurde, nach dem Ausspruche und der Kritik spanischer Literaturfreunde, nicht nachzustellen. Auch seine verloren gegangenen Romancen werden gewiß nicht ohne Verdienst gerühmt.