Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 6 (März 1857)
- Article
- Bürgerliche und politische Gleichstellung der Juden mit den Christen
- Date
- 1857-03-01
- Page
- 303 (sequence 2)
- Language
- German
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der Jude» mit den Christen. 303 Bis dahin aber ist er allen äußern Schicksalswechseln kraftlos ausgesetzt, und eben dieser Mangel an Kraft und Widerstand ist es, der ihn zum Spiegelbild des Fortschrittes macht: die Große des Rechts, die dem Schutz- und Machtlosen eingeräumt wird, zeugt ja von der Größe und Wahrhaftigkeit des Rechtsgefühls des Stärker». Das Jahr 1789, welches zum ersten Male wieder den Ruf nach Gleichheit, Freiheit und Bruderliebe vernahm, das zum ersten Male wieder versuchte, das Band der Gleichberechtigung um alle Menschen zu schlingen, war es daher auch, das den Juden zum ersten Male auf europäischem Boden in den Kreis der Mitmenschen ausgenommen; als die Stimme der Fürsten und Völker 1813 zum Kampfe rief gegen fremden Druck und fremde Herrschaft, und das Rechtsgefühl der Machthaber und Unterthanen erwachte, da wurde auch Judäas Söhnen Befreiung von Druck und Schmach verheißen; als aber in den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts ein Umschlag in den Gemüthern erfolgte und so viele Versprechungen Versprcchungen blieben, da wurde auch das jüdische Volk in den meisten Staaten wieder zurückgedrängt in den alten Druck, zurückgeschleudert in die alte Schmach und Hep-Hep-Rufe erschallten in Deutschlands Gauen. Noch ist tn unseren Ohren nicht verhallt die Stimme der Völker, die in unseren Tagen die Juden aus den Ghcttis rief und sie wieder>1m einführtc tn die lichten Kreise der Freiheit, des Rechts, noch leben die Männer jüdische» Glaubens, die mit Thetl nahmen an den großen Versammlungen deutscher Stämme zur Begründung der Wohlfahrt, zur Befestigung des Rechts und schon ist mit dem Umschlag so mancher Verhältnisse auch der Jude wieder ausgestoßen, beinahe im ganzen deutschen Vaterlande, aus den Reihen seiner Mitbürger und steht abermals als Paria da auf deutscher Erde. So sehen wir, sind die Rechtsverhältnisse der Juden den jeweil herrschenden Rechtsanstchten unterworfen und in dem -Geschicke des jüdischen Stammes wiederholt sich jede große und kleine Phase, die an dem großen Völkercomplex vorgeht. Und wenn heutigen TageS sich das Schicksal der Juden zu verdunkeln scheint, wenn der Jude, wie gesagt, wiederum als der Ausgestoßene erscheint, — denn von dem Standpunkt, den wir hier etnnehmen, gilt es uns gleich, ob man ihm in Oesterreich den Grunderwerb oder in Würtemberg die freie Heirath nimmt, ihn in Detmold zum Schutzjuden macht, oder ihm!8