Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1857)
- Article
- Deutschland : Wien [Nachricht]
- Date
- 1857-02-01
- Page
- 268 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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268 minng, und wir können nicht leugnen, daß es nicht immer die reinstell und lautersten Hände sind, denen wir das Liebeswerk Übertrager, das wir selber füglich leisten könnten. Ich erinnere an den Spruch, den auch in die heutige Parascha fällt. Jacob der Patriarch bittet seine Kinder und richtet diese Bitte zunächst an Joseph : ועשית עמדי חסד ואמת erzeuge mir die Liebe, die wahrhafte, aufrichtige Liebes und bringe mich da zur Ruhe , wo ich die Ruhestätte mir bereit gehalten." Gibt es denn auch eine Liebe, die nicht die wahrhafte, aufrichtige ist? Allerdings! Die, die wir dem Todten erweisen, die ist aufrichtig, da ist keine Ruhmredigkeit,' kein Eigennutz, keine Vergeltung. Es ist ein Dreifaches, was die Gabe der Mildthätigkeit von dem Werke der Mildthätigkeit — die צדקה von der גמילות חסד unterscheidet. Der stehet mit seinem Gelde ein, der mit seiner Persönlichkeit, mit seinem bessern Selbst. Geben können wir nur dem Armen, der selbst nichts hat; aber Rath, Trost, Beistand, menschenfreundlichen Beistand braucht der Reiche wie der Arme, und oft der erstere in seinen schwachen und verlorenen Stunden mehr als der andere» Endlich kommt die Gabe nur dem Lebenden zu Gute, die brüderliche Liebe aber dem Todten wie dem Lebenden- Einem wie dem Andern zur Ehrenrettung und Seelenverklärung." Gewiß, beherzigenswerthe Worte, wenn, wie es scheint, die Pflichten der Mitglieder vorzugsweise in Geldbeiträgen, nicht aber auch in persönlicher Erfüllung der jüdischen Ausgabe bestehen, die ihre Todten von der warmherzigen Liebe der Brüder und nicht von ׳den kalten Händen bezahlter Diener bestattet sehen möchte. Der Chevra-Kaäjpha־;SSerem hatte im Jahre 1856 eine Einnähme von 13,2 7 9 fl."25 kr., worunter als Jahresgelder von 237 beitragenden Mitgliedern 2320 fl., und 891 fl. 35 kr. für Interessen, Sperrden, Büchsengelder und kleine Legate sich befinden. Die übrigen 10,887 fl. 30 kr., gingen als Leichentaxen bis zum 1. December für 125 Leichen ein. Außerdem waren 261 Gratis - Leichen für ganz Mittellose. Die Leichenhosordnung theilt die ״Letchenbegängnisse" in fünf Classen, und zZvar in vier zahlende und eine für ganz Mittellose gratis. (Hoffentlich ist doch das Leichenbegängniß für Zählende und Nichtzahlende gleich?) Bcdenkt man, daß schon die obigen Ziffern eine Durchschnittssumme von 87 fl» ergeben, so scheint doch die Taxe für die mittlere und höhere der zahlenden Klassen sehr bedeutend zu sein» Die Ausgaben enthalten die 'Ziffern: für Begräbniskosten von 386 Leichen, worunter aber 261 Grans-Leichm für ganz Mittellose, 8594 fl. 7 kr. Unterstützung an Kranke, dann für Medicamente nebst Regiespesen: 1843 fl. 49 kr», zusammen: 10,441 fl. 5 6 kr», wozu aber noch ein Abtrag des theilweisen Kaufschillings für.die neuangekaufte Grundfläche zur Vergrößerung des Leichenhofs mit 7650 fl. kommt. ׳Wien,' 22. Jan» Die Angelegenheit der neuen jüdischen Volks, schulen, welche im vorigen Jahre der hiesigen israelitischen Gemeinde neu zu errichten aufgetragen wurden, ist, wie im ״Dr. I." berichtet wird