Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1857)
- Article
- Der Ghetto und die Juden in Rom
- Date
- 1857-02-01
- Page
- 255 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Ghetto und die Juden in Nom. Aus: Figuren, Geschichte, Leben u. Scencrie a. Italien, vonF. GrcgoroviuS. (Fortsetzung.) Auch Leo X. Medici, dessen Huldigungöfeier im Jahre 1613 die glänzendste war, die je ein Papst erlebte, empfing die Juden am Castell San-Angelo. Der Ceremonienmeister Paris de Grasfis beschreibt die Scene. Die Juden standen am Thor des Castells auf einem hölzernen Gerüst, welches mit Goldbrocat und seidenen Teppichen bedeckt war und worauf acht weiße Wachskerzen brannten. Dort hielten fic die Gesetztafeln. Als nun der Pabst auf seinem weißen Rosse vorüber geritten kam, baten die Juden um die gewohnte Bestätigung. Der Pabst nahm ein offenes Buch aus ihren Händen, las etwas darin und sagte darauf: Wir bestätigen, aber wir stimmen nicht bei (Ooiiürinaiuus, sed non consentimus); dann ließ er das Buch zur Erde fallen und setzte seinen Zug fort. Dies war das letzte mal, daß die Ceremonie am Castell stattfand; seitdem ward fie durch den vorgeschrittenen Geist der Zeit oder durch andere unbekannte Ursachen abgeschafft. Dagegen wurde nun den Hebräern ausgegcben, einen Theil der Straße, durch welche der päpstliche Triumphzug schritt, mit kostbaren Stoffen und Teppichen auszuzieren. Beim Fest der Besitznähme Gregor's XIV. (1590) mußten sie den Abstieg vom Capitol und den Bogen des Septimius Severus mit Teppichen bedecken. Bald darauf wurde es Regel und Pflicht der Juden, den Titusbogen und die Straße bis zum Collosseum zu schmücken. Sie mußten also den Schimpf erdulden, dasselbe ihnen verhaßte Triumphthor mit Seidenstoffen zn verziere», welches einst dem Titus, dem Zerstörer Jerusalems, erbaut worden war. DieS geschah bei der Thronbesteigung aller folgenden Päbste. Jedesmal schmückten die Juden de» Titusbogen, und es war nun Sitte geworden, an die Tapeten Embleme auf Goldgrund zu heften,