Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1857)
- Article
- Geschichte der Juden
- Date
- 1857-02-01
- Page
- 230 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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230 Geschichte der Juden von Dr. Grätz. Zehnter Artikel. wir die Heroen fast unserer ganzen Vergangenheit und so auch die der talmndischen Zeit weit genauer und vollständiger in ihrer Lehre, als in ihrem Leben kennen, und, wie wir bis jetzt gesehen, unsere Urkunden in ihrer unerbittlichen Nüchternheit alles das zu Schanden machen, was der Verfasser in den schönen Mondnächten seiner Phantasien aus den Sternen construirt. , Der Vers, erzählt uns S. 56: ״Zn der Starrheit und der eisernen Konsequenz R. Eliesers bildet sein Genosse, R. Josua ben Chananja einen entschiedenen Kontrast; er war das biegsame, nachgiebige, versöhnende Element in der Neubilduug des jüdischen Gesammtwesens; er schützte die Lehre und das Volk vor Einseitigkeiten und Uebertretbungen und wurde dadurch Förderer der Lehre imb ,Wohlthäter des Volkes." Es werden uns nun die nähern Lebensumstände des R. Josua erzählt und nachdem nochmals auf seine Bescheidenheit, Milde und Versöhnlichkeit in seinem Verhältniß zum Rabban Gamaliel — welches wir bereits im achten Artikel hinreichend beleuchtet — und sonst im Leben hingewiesen worden, erzählt die Geschichte weiter: v ״Dieselbe Milde und Mäßigung, wie im Leben, bewährte R. Josua auch in der Lehre; er war ein Feind aller Uebertreibungen und Seltsamkeiten und nahm bei Gesctzentscheidungen auf die Lebensumständc die gebührende Rücksicht. — — Er stellte daher den weisen Grundsatz auf, man dürfe keinerlei Erschwerungen austegen, bei denen die Gesammtheit nicht bestehen könnte, lieber die erschwerenden Umzäumnngen, welche die Schule Schamais im letzten halben Jahrhunderte vor dem Tempeluntergangc mit Ungestüm und Leidenschaftlichkeit eingeführt hatte, bekannt unter dem Namen ״״der achtzehn Maßregeln,"" die größtcntheils dahin gerichtet waren, den nähern Umgang und jede herzliche Vertraulichkeit' mit Heiden unmöglich zu machen, fällte R. Josua ein sehr tadelndes Urtheil. — — Wie hier gegen die schamaitischen Erschwerungen, so scheint er auch gegen die unbeschränkten Folgerungen der Hillelischen Schule gewesen zu sein. Dahin gehört sein merkwürdiger Ausspruch: ״״Die Bestimmungen über Sabbath, Festopfcr, Mißbrauch der Heiligthümer haben einen geringen Anhaltspunkt in der heiligen Schrift, aber viel Halachas. Die zweite Zange kann man wohl mit dor ersten unfertigen, aber womit macht man die erste?"" Aus 8 1 if