Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1857)
- Article
- Briefe des Hernn B. Gradis in Bordeaux
- Date
- 1857-01-01
- Page
- 207 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2932754-2932835-2932840-2940603--02252-2940691- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
3. Brief des Herrn B. GrabiS in Bordeaux. 207 leihen und allen Reklamationen das sakramentale Wort entgegen halten werde: Es ist zu spät, die Grands Rabbins haben entschieden. Wie wird es dann um die Gewissensfreiheit stehen, unter den Grands Rabbins, die man zu Rathe gezogen, unter denen, die man nicht zu Rathe gezogen und mit den religiösen Bräuchen, deren Abänderung die Erstem erlaubt haben werden? Wir haben gesagt, daß mehrere wichtige Veränderungen schon stattgefunden haben, ohne zuvor in Berathung gezogen worden zu sein. Wir wollen unter Vielen nur ein Beispiel nennen. Das grand Sanhedrin hatte als Garantie unserer religiösen Interessen bestimmt, daß zwei Grands Rabbins ihren steten Sitz im Central- Consistorium haben sollen. Man hat eine dieser Groß-Rabbiner- Stellen aufgehoben, ohne auch nur das Motiv dafür anzugeben. Das rabbinische Element, welches im Central-Consistorium die Kraft von zwei gegen sieben hatte, hat setzt nur noch die Kraft von eins gegen acht. Das weltliche Element hat also ein außerordentliches Uebergewicht erlangt? Aus diesen Gründen sollten in der That die religiösen Häupter oder selbst die Laien in der Verwaltung unseres Kultus nicht zusammen wirken, die Grundsätze, Gebräuche und Uebungen zu schwächen, mit deren Aufrechthaltung und Vertheidigung sie betraut sind. Widerstrebt es nicht selbst vom rein allgemeinen Standpunkte zu denken, daß man dahin kommen könne zu erklären, was gestern Pflicht gewesen, sei es heute nicht mehr, was gestern heilig war, sei heute profan? Welcher Religions-Kultus könnte einer solchen Erschütterung widerstehen, wenn sie zumal von solchen Händen ausgeht, die wir zu verehren gewöhnt sind und von denen wir Leitung und Segen erwarten! Schon der bloße Zweifel bewirkt in religiösen Gegenständen unendliches Unheil. Welche Zerstörung wird er nicht erst schaffen, wenn er von dem Mittelpunkte der religiösen Ueberzeugungen selbst ausgeht. Die Weisheit unserer Grands-Rabbins wird uns vor dieser Gefahr bewahren. Wir wollen gern an ihre Jnfallibilität glauben. Aber wäre es nicht besser, sie dieser Probe nicht auszusetzen und auf theologische Discussionen Verzicht zu leisten, die heutzutage nicht mehr