Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1857-01-01 · Heft 4 (Januar 1857) · p. 194

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1856-1857)
Issue
Heft 4 (Januar 1857)
Article
Aus Hannover
Date
1857-01-01
Page
194 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2932754-2932835-2932840-2940600--02235-2940678
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

194 Correspondenz. ist, den Einfluß, den die Gebete auf uns üben sollen, zu heben, sich nach diesen richten und man dürfe nicht unsere heiligen Gebete zum Libretto einer Oper herabwürdtgcn, wo man nach den Takten der Melodie Sätze und Worte willkührlich wiederholen und versetzen kann, wie es eben die Partitur erheischt. Ueberhaupt sind wir der Ansicht, man müsse fest halten, was Haupt- und Nebensache sei und den Chor in diejenigen Grenzen einschränken, die die Natur der Sache bestimmt. Es muß daher vor Allem Rücksicht genommen werden auf den Inhalt des Gebetstückes, ob dasselbe sich überhaupt zum Chorgesänge eigne; ferner dürfen nur solche Melodien angewandt werden, welche sowohl dem räumlichen Umfange, wie dem Geiste des Textes entsprechen, und die geeignet sind, von der ganzen Gemeinde mitausgeführt zu werden. Bet unserem Gottesdienste hat man nun diese Rücksichten vielfach außer Acht gelassen. So werden theils Gebetstücke vom Chore ausgeführt, deren Inhalt sich nicht zum Gesänge eignet, theils hat man Melodien gewählt, die weder dem räumlichen Umfange noch dem Geiste des Textes angemessen sind. Wir weisen Beispiels halber auf das Schema, die Awoda, die Keduscha hin, welche vom Chorgesang begleitet werden; ja um eine schöne Fuge anzubringen, hat man es nicht unterlassen, selbst ״die zehn Söhne Hamans" am Purim in Musik zu setzen; so werden z. B. der Schlußsatz von An'im Semtroth an gewöhnlichen Sabbathen, des Weßeeraw Aßiroßenu vor dem Duchenen von Melodien begleitet, für deren Kritik es keine andere Bezeichnung als: Unter aller Kritik gibt, so hat man aus dem Aschre Hoom schekocho einen ganzen Canon gemacht, Lajehudim hojßoh in der Megilla zu einer großen respondirenden Arie umgewandelt und den Mismaur ledowid gänzlich forteskamottrt. Wir glauben, daß diese Beispiele genügen, hinlänglich darzuthun, daß man bet Einführung des Chorgesanges in unsere Gemeinde mit ziemlicher Gedankenlosigkeit und Verkennung der ״Wirksamkeit eines Chors zu Werke gegangen ist und wünschen wir nur, daß bet einer demnächsttgen Restaurirung unseres Chors, die demselben wahrhaft Noth thut, auf diese Mängel Bedacht genommen werde. Wir hätten hiermit unsere Berichte über die hiesigen Gemeinde- Verhältnisse zu schließen. Auf einen Gegenstand möchten wir noch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.