Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1857)
- Article
- Teweth
- Date
- 1857-01-01
- Page
- 169 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Judenthum und Rom. 169 schwerdtgegürteter, zum Raube listig gcwandtcrGewalt, und Obadiah's: הנה קטן נחתיך בגוים בזוי אחה מאוד זדון לבך השיאך שכני בחנו׳ מלץ מרום שבתו אומר בלבו מי יזרידני ארץ, siehe, klein setzte ich dich unter die Völker, verächtlich warst du sehr; deines Herzens verbrecherischcr Muth hat dir als Lockbild die in Felsenklüften unnahbare Größe gezeigt, die im Herzen spricht, wer stürzt mich zu Boden" — fand der treffende Blick jüdischer Weisen von Rom gesprochen, das, selbst jedes ureignen nationalen Ursprungs entbehrend — בלא בחב ובלא לשון — nur durch gewaltthätigen Muth sich die Felsenhöhe einer solchen politischen Bedeutung erklommen hatte. So wägt Rom's innerstes Wesen, im Gegensatz zu Hellas' dem Idealen zugcwandtcm Sinn, das Gepräge des unverhülltesten Materialismus. Vergrößerung des materiellen Besitzes war das Ziel, Ruhm und Macht selbst nur Mittel dazu. Nützlichkeit gab den Dingen und Handlungen den Werth. Für Alles was den Geist zu etwas Höherem erheben und das Gcmüth zu einer edleren, freieren Entfaltung führe!! konnte, für Alles was den Menschen menschlicher zu machen vermag, hatte Rom keine» Raum und keine Psiege, und nur in so fern dieses Geistige, Edlere zur Erhaltung und Förderung der nieder«, materiellen Güter nothwendig oder doch nützlich erschien, war auch dieses Höhere, Edlere eine bedeutende Größe im Kalkül der römischen Weisheit. Darum schwand nach Außen jede Rücksicht auf Menschlichkeit und Recht; kriegerische Tapferkeit und Gewandtheit in Ausbeutung der Schwächen anderer Nationen wurden die ruhmwürdigsten Tugenden, und inr Innern blühten nur diejenigen, die geeignet erschienen, die für das gewaltige Auftreten Roms erforderliche innere Einheit und Kraft zu erhöhen. Unersättlich un,d gewalttätig nach Außen, forderte Rom von seinen eigenen Söhnen Mäßigkeit, Subordination und Hingebung, militärische Tugenden, die die kriegerische Bedeutung selbst einer Piraten-Bande bedingen. Sogar das Höchste, Religion, der Gedanke an die Gottheit, die Furcht der Götter, ging in Rom vollständig in diese Nützlichkeitsberechnung der staatlichen Gewalten aus. Rom war sehr religiös. Geringschätzung der Götter, Verletzung heiliger Cercmonicn war ein todeswürdigcs Verbrechen. Aber Religion, Götterfurcht und Priesterthum, waren durch und durch Werkzeug des Staates. Man bedurfte der Religion und der Priester, um die überkommene,Rangordnung