Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1856-12-01 · Heft 3 (Dezember 1856) · p. 164

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1856-1857)
Issue
Heft 3 (Dezember 1856)
Article
Der Orient [Nachricht]
Date
1856-12-01
Page
164 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2932754-2932835-2932839-2940515--02194-2940589
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

164 eine Extrem vermeidet, braucht man nicht dem andern sich zuzuwenden. Es wird Aufgabe der Führer sein, diesen in der Mitte liegenden Weg inne zu halten und so geistige Bestandtheile einander annährend zu verbinden, die nur in geeigneten Contakt gebracht werden müssen, um ein harmonisches und einheitliches Ganzes zu bilden. Während wir jedoch die Uebel bedenken, welche durch eine falsche Richtung entstehen dürsten, die der Bewegung von Außen gegeben werden könnte, müssen wir nicht übersehen, daß eö auch Elemente im Innern giebt, die Unheil bringen können. Die unbegründete Opposition, welche eine starre stereotype Richtung eine Zeit lang im Westen der Verbreitung des Unterrichts und der Entfernung von Eigenthümlichkeiten entgegensetzte, die der Unbildung angehörtcn und keinen religiösen Karakter hatten, hat nicht wenig dazu beigetragen, den jüdischen Laien von den Vertretern der jüdischen Religionslehre zu entfernen, diese Letztern in der Achtung , des erstern herabzusetzen und zuletzt die Geneigtheit zu veranlassen, den Kern mit der Schale fortzuwerfen. Als die Bewegung im Westen begann, wollten oder konnten die Rabbiner nicht die Zeichen der Zeit verstehen, die Anspräche des Jahrhunderts nicht anerkennen, sich nicht an die Spitze einer unvermeidlich gewordenen Bewegung stellen, welche die Weisheit zu meistern und zu leiten gelehrt hätte, da es unmöglich geworden war sie zu hemmen. Der größere Theil der Rabbiner ließ diese Ausgabe während zwei Generationen unerfüllt. Die natürlichen Leiter hatten somit ihren Posten verlassen oder vielmehr waren stille gestanden, während Alles um sie her in Bewegung war;׳ die ihnen gebührende Huldigung kam damit außer Uebung, oder wurde auf Andere übertragen, und als sie nun in der dritten Generation zu dem Bewußtsein ihrer wirklichen Lage erwachten, war es schwer für sie, die verlorene Stellung wieder zu erlangrn. Das während ihrer Nichtbetheiligung angerichtete Unheil ist unberechenbar. Mögen die Rabbiner im Osten an denen im Westen eine Lehre schöpfen. Die vor etwa einem Jahrhundert im Westen entsprungene Bewegung hat ,endlich den Osten erreicht. Die Strömung streßt unwiderstehlich, gehemmt kann sie nicht werden. Ihre Richtung können sie leiten, aber sie können ihre Wellen nicht aufhalten. Mögen sie durch das Beispiel der westlichen Rabbiner gewarnt sein. Machen sie sich die theuer, leider im Westen nur zu theuer erkaufte Erfahrung zu Nutze, so werden sie vornehmlich den Strom in ein solches Bette zu leiten haben, das ihm einen ruhigen und friedlichen Lauf zu nehmen gestattet, und, indem sie am Ruder der Entwickelung bleiben, ihn Segen und Heil verbreiten läßt. Wo nicht, so wird er eine solche Richtung gewinnen, die ringsum nur Ruin und Verwüstung schaffen und diejenigen in der Fluth mitbegraben wird, die ihn, ohne zu zu greifen, über Abgründe und gegen Klippen und Felsen stürzen ließen. Briefkasten: Herr I)r.K in B: gerne. Löbl. Exp. Asmonean: Bitten die Bemerkung per closed mail nicht zu vergessen Die Red. Druck von RsintM Laift. — Redakteur; Rabbiner Hirsch in Frankfurt am Main.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.