Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1856)
- Article
- Der Orient [Nachricht]
- Date
- 1856-12-01
- Page
- 163 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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bringen, die seit Kurzem aus der alten und neuen Welt,, insbesondere dem heiligen Lande zugewendet werden. Ein Vermächtniß ans Amerika, das ein Hospital in der heiligen Stadt errichtet, — industrielle und wohlwollende Erziehungs-Jnstistute, für die palästinensischen Juden durch englische, französische und deutsche Menschenfreunde begründet,. — die allbekannten Leistungen des Sir Moses Montefiore, jenes edeln Urhebers dieser ganzen Bewegung, — die Leistungen des Herrn Albert Cohen, des hochherzigen Agenten des französischen Zweiges des Hauses Rothschild, das in philantropischer Absicht begonnene Werk des Dichters Dr. Frankl aus Wien, der darin den Auftrag einer wohlthätigen östreichischen jüdischen Dame auszuführen hatte, — alle diese Zeichen einer wunderartig erwachten- Sympathie erscheinen als ein Finger Gottes, der Großes und Bedeutungsvolles für die Zukunft anzukündigen scheint. An diese Betrachtungen schließt I. C. folgende beherzigenswerthe Bemerkung: ״Nur zwei Bedenken sehen wir dieser allmäligen und friedlichen Entwickelung unserer Brüder im Osten entgegenstehen, die aber glücklicherweise durch geeignete Sorgfalt und Aufmerksamkeit vermieden werden können. Mögen die auf der Bahn des Fortschrittes vorangehenden Juden aus dem Westen, die sich mit dieser edeln und heiligen Mission beauftragt haben, sich vor jenen neologischen, verderblichen Ideen hüten, die unter dem Scheine von Aufklärung, dem Irrwisch gleich, diejenigen, die ihnen folgen, sicher in Morast, Sumpf und Untergang führen. Ultra- Freigeistigkeit und sogenannte Aufklärung, meistens Verhüllungen eines höchst gefährlichen Jndifferentismus, sind die gefährlichsten Feinde des Judenthums unserer Tage. Mögen die Leiter der Bewegung im Osten aus der. Erfahrung im Westen Belehrung schöpfen. Mögen sie sich von dem Gedanken durchdringen, möge es der Polarstern für ihre Bestrebungen sein, daß wir Juden sind, und als solche unsere eigenen Gesetze, unsere eigenen Sitten, unsere eigenen Gebräuche, unsere eigene Geschichte, unsere eigene Literatur haben, und daß folglich die Entwickelung ein jüdischer Fortschritt sein muß, dem innigsten Wunsche entsprungen, eine heilige Pflicht gegen unsere vernachlässigten Brüder zu erfüllen, nicht aber ein bloßes Nachäffen nichtjüdischer Sitten, ein bloßes Liebäugeln mit der umgebenden Bevölkerung, ein bloßes Haschen nach nichtjüdischem Beifall, ein bloßer Firniß über eine Masse Moder. Wenn es keinen Mittelweg giebt zwischen Bigotterie und Abfall, zwischen Aberglauben und Unglauben, zwischen Fanatismus und ungezügelter Willkühr, zwischen engherziger Beschränktheit und schrankenlosem Dünkel, dann, sagen wir ohne Bedenken: Lasset die. Juden im Osten gehen; besser für sie ihren Weg im Dunkeln zu tappen, als bei Hellem Tageslicht dem Abgrund des Untergangs entgegen zu eilen; besser, sie in ihrem gegenwärtigen Zustande zu erhalten, als unter sie das Gift des Jndifferentismus auszustreuen. Doch, glücklicher Weise׳ ist der Weg in der Mitte breit׳ genug. Indem man das