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Jeschurun · 1856-12-01 · Heft 3 (Dezember 1856) · p. 149

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1856-1857)
Issue
Heft 3 (Dezember 1856)
Article
Rundschreiben des Herrn Oberrabbiners und Präsidenten des Consistoriums zu Colmar
Date
1856-12-01
Page
149 (sequence 12)
Language
German
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II. Rundschreiben des Herrn OberraLLiners rc. zu Colmar. 149 welchem die Synagoge leidet, Hülse zu bringen, sie überall nur den klaffenden Abgrund des Jrrthums und der Gleichgiltigkeit erweitert und die Fortschritte des Unglaubens erweitert haben. Wie hätte es auch anders kommen mögen? Fraget eure Erinnerung und ihr werdet sehen, daß die Idee der Kultusveränderung, die seit etwa fünfzig Jahren die Gemüther bewegt, einen dem religiösen Elemente fremd'en Ursprung gehabt. Nicht Männer des Glaubens, die die Einsicht und das heilige Feuer für religiöse Angelegenheiten in sich trugen, wären es, durch welche ursprünglich diese Veränderung zur Sprache gebracht und gefordert wurde; es waren dies vielmehr diejenigen, die, des religiösen Bandes müde, von dem Verlangen brannten nicht nur sich von Allem zu befreien, was unsere Gottesverehrung ausmacht, sondern auch ׳Anderen ihre Systeme, ihre Launen, ihre Jrrthümer aufzudrängen. Noch heute schreckr man vor keinem Mittel zurück, vor keiner Jntrigue, vor keiner Machination, um den distructiven Meinungen den Triurnph zu sichern. Man geht soweit die frommen Gefühle unserer geistlichen Hirten auszubeuten, man überredet sie, die religiösen Veränderungen würden die unmittelbare Wirkung haben, iy die Hallen der Tempel die Menge Derer zurückzurnfen, die sich von ihnen entfernt haben. Traurige Täuschung! Trügerische Hoffnung! Die Menge wird vielleicht auf einen Augenblick dort erscheinen, wäre es auch nur um die Neuheit des Schauspiels zu genießen; bald aber wird wieder die Macht der Gewöhnheit die Oberhand gewinnen und man dann zu spät gezwungen sein, nicht nur. die Unwirksamkeit, sondern auch die Gefährlichkeit des Mittels airzuerkennen. Denn diese Veränderungen werden eben so viele Merkstäbe, die zu andern Veränderungen führen und so kommt man dann von Ruin zu Ruin, bis man einen Zustand erreicht, der nichts mehr niit der Religion gemein hat. Wir haben es daher für unsere gemessene Pflicht erachtet, diese Maßregeln mit der ganzen Kraft unserer Ueberzeugung zurück zu weisen." Colmar, den 7. October 1836. Der Oberrabbiner, Consistorial-Präsident des Bezirks Colmar S. Klein.

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