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Jeschurun · 1856-11-01 · Heft 2 (November 1856) · p. 99

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1856-1857)
Issue
Heft 2 (November 1856)
Article
Der Ghetto und die Juden in Rom
Date
1856-11-01
Page
99 (sequence 12)
Language
German
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Von F. Gregorovius. 99 dicht des Cardinals Giacomo Stefanescht, welches die Hnldtgungsfeier Bonifacius' VIII. im Jahre 1295 beschreibt: Ecce, super Tiberim positum de marmore pontem Transierat, provectus equo; turrique relicta De campo Judaea canens, quae caeeula corde est, Occurrit vesaua duci Parione sub ipso, Quae Christo gravidam legem plenamque sub umbra Exhibuit Moysi. Veneratus et ille figuram Hane post terga dedit, cauto sermone locutus. Ignotus Judaea deus, sibi cognitus ölim. Qui quondam populus, nunc hostis; qui deus et rex Qbnubi patitur, praesentem temnere mavis, Quem fragilem reputas hominem, sperasque futurum, Et latet ipse deus — — Schon damals hatte dies ceremoniöse Schauspiel dieselben Formen, wie sie später beobachtet wurden. Die Juden, Loblieder singend, warteten des im Trinmphzuge daherreitenden Papstes; sie boten ihm die Gesetzrolle dar, der Pabst nahm sie, las einige Worte darin, reichte sie dann hinter sich und sagte: Wir bestätigen das Gesetz, aber das jüdische Volk und seine Auslegung verdammen wir. Hierauf ritt er weiter, und die Juden ritten in ihre Wohnungen zurück, niedergeschmettert oder zur Hoffnung belebt, je nach Dem, was sie mit scheuer Furcht in den Augen des Pabstes gelesen hatten. Entweder standen sie nun hinter der Hadriansbrücke, oder, wie es häufig geschah, an dem Platze, welcher Monte Giordano heißt. Obwohl dieser aus Schutt entstandene Hügel seinen Namen von Giordano Orstni, einem Edeln dieses alten römischen Geschlechts, empfangen hatte, der dort seinen Palast baute, so wählt man vielleicht um des Namens Jordan willen gerade diesen Ort für die Judenceremonie; und dort standen nun die Nachkommen Israels, die verstoßenen Kinder vom heiligen Fluß Jordan, geschaart, den Prachtvoll in Gold gebundenen und mit einem Schleier bedeckten Pentateuch haltend, die große Pergamentrvlle aus einem Stück, welche aus den Schultern getragen wurde, umringt von dem verhöhnenden Volk und allen Mishandlungen des Spottes und Hasses ausgesetzt, bis der Pabst erschien und sie ihm knieend das Gesetz überreichten. Mit der Zeit wurde die Mishandlung der Juden bet dieser Gele-

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