Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 2 (November 1856)
- Article
- Jüdische dramatische Dichter in Spanien
- Date
- 1856-11-01
- Page
- 81 (sequence 3)
- Language
- German
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Von D1\ M. KaysNling. 81 würden vernachlässigt und Schaaren zogen nach dem Goldreiche, um dort an der Quelle ihren Durst zu stillen. Je mehr sie fanden, desto gieriger, unmenschlicher und verhaßterwurden sie. Bald triumphirte Holland, das die vertriebenen Juden, arm und hilflos, so gastfreundlich aufnahm — es pflückte die Früchte seiner Leutseligkeit; bald jauchzte England, dessen jungfräuliche Königin das selige Vergnügen genoß, die stolze, unüberwindliche Flotte des stolzen, einst gar sehr befreundeten Königs in den Grund gebohrt zu sehen, — kein Alba, kein Don Juan konnte den Verfall länger aufhalten — die Inquisition bereitete Feste für die Könige und das Volk, wüthete, verbrannte lebendig und im Bilde, füllte die Gefängnisse, geißelte, confiscirte und wachte mit Argusaugen über Gedanken und Metnungen — Klöster wurden in Menge erbaut und Paläste mit hunderten von Zimmern für die Mönche eingerichtet — Mißtrauen, Furcht, Verschlossenheit und Entsetzen lockerten die heiligsten Bande, der Lebensmuth erstarb, die Zuversicht und Hoffnung aus bessere Zetten schwanden. Die Hörsäle schlossen sich, die Lehrer seufzten aus der Folter und die Schüler unter dem Drucke des Geistes, die Schulen waren verödet, die Werkstätten standen leer, der Handel ruhte, Theater und Schauspiele waren untersagt, das Land entvölkerte sich immer mehr ohne Vertreibung und Ausweisung, und in üppigem Wachsthum überwucherte die Natur die sonst so sorgsam bestellten Aecker. Wo die Geschichte aufhört, nimmt die Poesie ihren Anfang; wenn die Helden aussterben, verkünden Sänger und Dichter ihre Thaten um die kraftlos gewordenen, erschlafften Männer an den früheren Glanz und Ruhm zu erinnern, zu neuen Unternehmungen durch ihren Gesang zu wecken — mit einem Worte, wenn keine Helden wehr da sind, so entstehen die Heldengedichte. So erklärt es sich, daß gerade in der Zeit des politischen Verfalls der spanischen Monarchie die Literatur der Heldengedichte eine so reiche ist — aber auch nur die Literatur, nicht der innere Werth; denn auch der Charakter der Kunst und Wissenschaft, ganz besonders aber der der Poesie war ein anderer geworden. Es war nicht mehr jener feurige, lebhafte Gesang, wie er in früheren Zeiten, wo noch Freiheit und Duldung herrschten, angestammt wurde, auch in der Poesie war das Nationale geschwunden, sie hatte ihre Unabhängigkeit ver--