Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 2 (November 1856)
- Article
- Geschichte der Juden
- Date
- 1856-11-01
- Page
- 64 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2932754-2932835-2932838-2940389--02044-2940445- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
64 Geschichte der Juden -vonDr. Gratz. Neunter Artikel. Data-sucht,-liegt uns wieder in der geschichtlichen Figur vor , die der Vers. R. Elieser b. Hyrkanos, das starre System nennt. Der Vers, hat sich die Aufgabe gestellt zu zeigen, daß die Lehre, die uns Jahrtausende Hera-als tradirt, also als-in-ihrem Ursprnnge fertig und abgeschlossen dastand, und in deren Ueberlieferung eine Verschiedenheit nur in Folge der durch Zeitereignisse getrübten Arbeit des Empsangens und Ucberliefcrns entstanden, daß diese Lehre vielmehr den entgegengesetzten Gang der Entwickelung genommen, die Meister der Mtschnah und des Thalmuds nicht Träger, sondern Schöpfer der Lehre gewesen und die Geschichte nicht die Ueberlteferung, sondern die Ausbildung der Lehre zu verzeichnen habe. Den ersten Anstoß zu -einer solchen Ausbildung hatte der Vers, in dem Gegensatz der Hillel'schen und Schamai'schen Schule gefunden, oder vielmehr ihm waren Hillel und Schamai ein Paar willkommene Namen, denen er eine von ihm erdichtete Differenz hinsichtlich des Prinzips einer solchen Ausbildung untergeschoben. Wir haben gezeigt, daß die Deutungsregeln, Mtdoth, dem Verf. die künstlichen Werkzeuge einer solchen Ausbildung, weder von Hillel wie der Vers, behauptete, erfunden noch von Schamai bestritten, noch überhaupt ein Punkt waren, hinsichtlich dessen die beiderseitigen Schulen sich einander gegenüber standen. Wir haben die Quellen befragt, und ihr Verdikt verurtheilte was hier dem Leser als Geschichte geboten wird als den bodenlosesten Roman. Eine der bedeutsamsten Figuren dieser angeblich sich in einander bekämpfenden Gegensätzen bewegenden Geschichte der Lehransbildung ist nun ferner dem Vers. R. Eltser b. Hyrkanos. Obgleich ein Schüler des Hilleliden R. Jochanan b. Sakkai, soll er dennoch, wie uns der Verf. S. 49 ff. versichert und in der Note 5 weiter ausführt, principiell der Schule Schamais angehört, wie diese das fortbildende Element der Deutungs- und Folgerungs-Regeln nicht in dem ihnen von den Hilleliden beigemessenen Werthe anerkannt haben, ja, es soll R. Elieser nicht einmal ״den logisch begründeten und ans halachischem Gebiete anerkannten Schluß vom Geringeren zum Höheren, קל וחומר־, haben gelten lassen mögen," er soll eben wegen dieses irorror's, der ihm gegen die Anwendung der Deutnngsregeln innegewohnt, als Anhänger Schamais, Schamati, gegolten haben