Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1856)
- Article
- Anfrage / L.
- Date
- 1856-10-01
- Page
- 44 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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44 Anfrage. schädlichmachung heut zu Tage nicht genug Bedacht genommen werden kann. Ja, gerade aus diesem Grunde ist es unerläßliche Pflicht eines Jeden, dem es um die Erhaltung unserer heiligen Religion Ernst ist, vorzüglich aber Dessen, dem die religiöse Leitung eines kleinern oder großem Kreises anvertraut ist, mit profanen Wissenschaften sich möglichst vertraut zu machen. Wollen auch unsere Weisen sel. Andenkens den Lehrsatz ודע מה שהשיב לאפיקורוס aus einen אפיקורוס ישראל nicht angewendet wissen, so mag dieses nur dann seine Geltung haben, wenn derselbe seine Irrlehren nicht zu verbreiten sucht; nicht aber, wenn er auch Andere mit sich in den Abgrund zu ziehen trachtet, in welchem Falle, wenn wir schwiegen, das לפגי עיור ל״ח מבשול uns entgegen stünde. Es ist daher setzt, wie noch nie, hohes unabweisbares Bedürfniß, daß der Thvrahgelehrte gegen das Geschoß frivoler Gegner mit dem Schilde weltlicher Wissenschaft sich schütze, mit zeitgemäßer Bildung sich wappne, um jeden hingeworfenen Handschuh aufnehmen und mit jedem Feinde eine Lanze brechen zu können. Um aber dieses Bedürfntß zu befriedigen, stoßen wir aus ein zweites Bedürfniß, welches meines Erachtens schwer zu befriedigen ist. Setzen wir voraus, daß die Oberflächlichkeit im Talmudstudium unter Anderm der modernen Verflaämng und Irreligiosität in die Hände gearbeitet hat; wollen wir auch der Chilluk-Methode das Wort nicht reden; wollen wir uns auch strikt an den Worten in אבות פרקה'משגה כד' halten: so wissen wir doch kann,, so lange nicht allgemeine Anstalten bestehen, in welchen der Talmud nicht als bloße Wissenschaft, als ein Zweig der Archäologie, sondern ganz nach orthodoxem Begriffe als obligatorisches Gesetzbuch, gepaart mit profanen Wtssenschaften, gelehrt wird, wie dieses auszuführen sein׳') Der Knabe, der Jüngling, der in der einen Anstalt in die tiefen Schachten des Talmuds eingeführt wird und in einer andern, von dieser ganz unabhängigen Anstalt den systematischen Gang höherer weltlichen Lehrgegenstände verfolgen soll, muß diese beiden von einander getrennten Fächer nicht nur als heterogene betrachten und wird ihre Amalgamatton zu bewirken vielleicht nie im Stande sein; es entsteht noch die Frage: woher soll er die Zeit nehmen, wenn er nicht ein ausgezeichnetes Talent besitzt, wenn er keine Stufe in beiden Fächern überspringen und auch körperlich nicht verkrüppeln soll, um kein Stümper zu werden? Möchten sachverständige Gesinnungsgenossen in diesen Blättern, über diesen Gegenstand ausführlich sich aussprechen! L. *) Es ist allerdings dem Einsender nicht unbekannt, daß solche kombinirte Anstalten in Deutschland, Frankreich und Italien bestehen. Die Zahl derselben ist aber zu gering, als daß durch sie dem allgemeinen Bedürfnisse abgeholfen wäre, und der Gründung weiterer solcher Anstalten stehen der Schwierigkeiten und Bedenklichkeiten gar zu viele entgegen. D. E.