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Jeschurun · 1856-10-01 · Heft 1 (Oktober 1856) · p. 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1856-1857)
Issue
Heft 1 (Oktober 1856)
Article
Tischri
Date
1856-10-01
Page
10 (sequence 10)
Language
German
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10 AM-Bilder. wund geritzten Gemüthern; wenn alle Welt euch verlacht, wenn kein Mensch euren Kummer begreift, euren Schmerz versteht, wenn selbst eure treusten, aufrichtigsten Freunde eure Betrübniß tadelnd sprechen ״Warum weinst du, warum issest du nichts, warum ist dein Herz so betrübt —?" und ihr keinen Menschen auf Erden habt, vor dem ihr euren tiefen'Jammer auszuweinen vermochtet — so lernet von Channah, zu Gott mit eurem Schmerze flüchten, lernt von Channah, euch zu Gott betend emporweinen, lernt von Channah am Rosch Haschanah Erhörung im Gebet erringen. Sie stand am Rosch Haschanah vor Gott 'ותתפלל על ד und sie betete hinauf zu Gott, וחגר. היא מדתרח על לתת, aber Channah's Gebet war eine Sprache an ihr Herz, מכאן להתפלל צריך שיתוק לתו, - so sei das jüdische Gebet eine Ansprache an das Herz, eine Rede zu dem eigenen Herzen. Dem Herzen die wahre Richtung zu geben, das Herz aus das Wahre zu richten, durch die wieder wach gerrifene Wahrheit im Herzen das Herz die Gott wohlgefällige Richtung finden zu lassen, das heißt Beten, heißt חת פתל ,תתפלל sich richten, Richteramt in sich, über sich üben, das Urtheil des Rechten und Wahren in sich zur Erkenntntß bringen! Der jüdische Beter richtet sich vor Gott, und Gott lauscht dieser Arbeit der vor ihm Betenden an ihrem eigenen Innern. ״ רק שפתיה נעותIhre Lippen waren bewegt." Allgemeine Gefühls- und Empfindungsregungen, Andachtsstimmungen von. unbestimmtem Inhalte und Gehalte thnn es aber ebendarum nicht. Beten, jüdisches Beten,מכאן למתפלל שיחתוך תשפתיו fordert bestimmte, in Worte gefasste, ausgesprochene Gedanken; מכאן שאסור להגתיה קולו תתפלתו ,וקולח לא ישמע, aber der Betende hat sic zunächst nur zu sich zu sprechen, an sich zu richten und sie zur eigeneu Aneignung zu verwenden. Kein Anderer, nur Gott und das eigene Ohr höre das Zwiegespräch des Betenden mit seinem Herzen. ותרר גרר und eben darum ist Blüthe und Frucht eines jeden wahren Gebetes ein Gelübde, ein Lebensvorsntz, Entschluß und Beschluß über das Erbetene, nach der Gewährung nie zu vergessen, wie mau vor Gott um das Erbetene gerungen, nie zu vergessen, daß man es von Gott erbeten und daß Gott es dem Gebete gewährt, es, als von Gott erbeten, und gewährt nur seinem heiligen Wohlgefallen geweiht zu verwenden und durch solchen Entschluß und Beschluß die Gewährung erst zu verdienen.

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