Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 12 (September 1856)
- Article
- Deutschland : Wien [Nachricht]
- Date
- 1856-09-01
- Page
- 673 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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Zweiter Jahrgang. Erstes lind zweites Seiblatt zum Septemberheft. Ausgegeben den 15. September 1856. In dieses Beiblatt werden Insexatc zu 3 kr. pr. Zeile oder deren Raum ausgenommen. Da mit dem 1. Oktober ein neues Quartal beginnt, so erimmern wir an gef. baldige Erneuerung des Abonnements, damit die regelmäßige Zusendung keine Unterbrechung erleite. Deutsch'' nd> ן * Wien. Wie schon früher in )lesen Blättern berichtet worden,!weigerte sich die hiesige jüdische Kultusgd^einde, eine isr. Volksschule zu ,errichten. Es war nun seit einiger Zeit von einer Verordnung der Regie- Irung die Rede,׳ in. der dieselbe auf die Errichtung solcher Schulen 'dringt, und sind wir jetzt im Stande, den Wortlaut der betreffenden Verordnung zu geben.׳ In dieser heißt es: ״Durch den §. 465 der politischen Schulverfassung ist, wie der! Wortlaut deutlich beweiset, die Errichtung jüdischer Schulen durchaus nicht!ausgeschlossen, sondern offenbar die Aufnahme jüdischer Kinder in die!christlichen Schulen nur als dasjenige Auskunstsmittel aufgestellt, welches!angewendet werden soll, wo der Unterricht dieser Kinder nicht durch eigene jüdische Schulen vermittelt werden kann. Von dieser Menschen-!freundlichen Anordnung abzugehen, liegt keineswegs in der Absicht des hohen Ministeriums. Wenn aber in dem Bezirke einer Schule die jüdische Bevölkerung sich so vermehrt, daß die Zahl der jüdischen schulpflich-!tigen Kinder für eine eigene Schule hinreicht, so muß es für durchaus!unzulässig erkannt werden, sie fort und fort in die christliche Schule auf-!zunehmen und dadurch diese zu überfüllen oder gar christliche Kinder, für deren Unterricht sie eigentlich bestimmt ist, zurückzuweisen, weil durch!die Aufnahme der jüdischen der Raum zu enge wird. Von einem allge-!meinen Mitanspruche der Juden aus die christlichen Schulen kann über-;Haupt keine Rede sein, und am allerwenigsten in Wien, wo ein großer lTheil der katholischen Schulen entweder ganz aus' katholischen Stiftungen zund Fonden errichtet worden und dotirt sind, oder doch wesentlich durch sBeihülfe solcher Fonde erhalten werden. Die Unzulässigkeit der Argumente, wodurch die Necurrenten gegen den Bestand einer jüdischen Schule ankämpfen, geht überdieß aus dem Umstand hervor, daß in Wien selbst! eine Reihe jüdischer Privatschulen bestehen und von den wohlhabenden