Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 12 (September 1856)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1856-09-01
- Page
- 660 (sequence 2)
- Language
- German
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660 Schaab, Geschichte der Juden zu Mainz IV. galt nicht mehr zu ringen, zu kämpfen, das Ziel aller seiner Mühen war erreicht und sein Herz war leer geblieben. O, da sah er sich in einsamen Stunden zurückversetzt nach der Heimathstadt an den Ufern des Rheins, sah hn Traume die Thränen der Mutter, deren liebevolles Antlitz er sich lebhaft vergegenwärtigte, sah den ehrwürdtgen Vater vergebens die Arme ausstrecken nach dem verlorenen Sohne, da nützte der vielbcneidete Beherrscher der ewigen Stadt, der Fürst üppiger Länder, der König eines geistlichen Weltreichs mit Thränen sein Lager, mit Thränen der Sehnsucht nach seinen jüdischen Eltern, mit Thränen erpreßt durch Zweifel an den ansgedrungenen Glauben, die sein Herz zerfleischten, und immer gewaltiger ward die Sehnsucht nach der Heimathstadt, nach den Eltern, denen er so früh entrissen war und nach dem angestammten Glauben, dem er wider seinen Willen hatte untreu werden müssen. War's ihm doch, als hörte er Tag und Nacht seinen Vater rufen: ״Kehre zurück, Elchanan!" Da beschloß er sich Auskunft über seine Eltern und seine Brüder in Mainz zu verschaffen. Alsobald schickte er dem Erzbischöfe von Mainz den gemessenen Befehl, den dortigen Juden die Sabbathsfeter, die Beschneidung und das Frauenbad zu untersagen. Der Erzbischof erließ das Verbot und zeigte sich den in ihrem innersten Leben tödtltch getroffenen Juden unerbittlich. Diese beschlossen, wie es der Papst vorausgesehen hatte, sich an die Quelle des Unheils, das sie betroffen hatte, zu wenden, und sandten eine Deputation nach Rom, an deren Spitze der greise Rabbi Simon stand. Wie schlug das Herz des Pabstes als er die ehrwürdigen Männer vor sich sah, flehend um die Zurücknahme jenes grausamen Verbotes, das sie hinderte die heiligsten Gesetze des Gottes Israels zu erfüllen. Waren es doch seine Brüder, die an seinem Throne knieten, unter ihnen vielleicht sein Vater. Sogleich gewährte er, was sie erbaten, und augenblicklich ward ein Eilbote nach Mainz gesandt, um die tiefe Trauer der Juden in den freudigsten Jubel zu umwandeln. Der Gesandschaft aber ward befohlen noch länger in Rom zu verweilen und der öfteren Berufung in den päbstltchen Palast entgegenzuharren. Schon am andern Tage beschied der Pabst sie zu sich; er war allein. Er fragte sie nach den Verhältnissen der Mainzer Juden, er zog Erkundigungen ein nach den Familien der Männer. Da erzählte Rabbi Simon von seinen Söhnen, die