Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 11 (August 1856)
- Article
- Jüdische dramatische Dichter in Spanien
- Date
- 1856-08-01
- Page
- 599 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Von Dr. M. Kayserling. 599 Welch' Trauergewand hast du angelegt? Wo ist ste nun, deine Pracht, dein Glanz? Und dein hohes Gotteshaus? Schutt und Verwüstung und Trauer. Nachdem nun Delgado die aus der Zionsstadt sortgesührten Sohne und Tochter auf ihrer Wanderschaft begleitet hat, fragt er sich selbst: — Aber die Ursache, daß du entthronet, Daß du so erniedrigt bist Vvw dem Ruhm, in dem du lebtest? Weil die Wahrheit du verwarfest, Und der Eitelkeit du gefolgt bist! Za, du bist nicht mehr die Fürstin Aller anderen Nationen. Deine Hoheit ist geschwunden, Dein Diadem und deine Große — Fremde haben sie dir geraubt. Warum sprichst du denn: o weh mir! Wo soll ich bleiben? Wo soll ich ruhen? Von den Völkern stets verfolgt! Bei dir selber bleibe nur, Bei dem Wort, das du verworfen! Delgado wurde von seinem kummervollen Leben im Jahre 1590 in seinem 61. Jahre befreit. Seine Gedichte bestehend außer den hier angeführten aus einzelnen Sonnetten, Hymnen u. dglch., wurden 1627 in Rouen gedruckt und dem Cardinal Richelieu, dem ״Groß-Herrn, dem Präsidenten der Schifffahrt und des Handels in Frankreich", wie es in der Widmung heißt, zugeeignet. Statt jeder besonderen Kritik und Lobpreisung wollen wir zum Schluffe noch die Worte Daniel Levt de Barrios über unfern Dichter hierher setzen: Die Königin Esther und des Jair's Sohn Besang Moses Delgado in herrlichem Ton, Und schrieb in dumpfer Klage nieder Des Propheten Jeremias Trauerlieder.